Gleichgestellt und gleich mächtig?
Shownotes
In Zeiten patriarchaler Strukturen, von Backlash und weiterbestehender Lohnunterschiede fragt Reflex: In welchem Klima für Gleichstellungsthemen leben wir gerade? Schliesslich hat Gleichstellung viel mit dem Streben nach Gerechtigkeit zu tun. Das motiviert SP-Politikerin und Unternehmerin Yvonne Feri und die Theologin Melanie Muhmenthaler sich im Ausschuss der Frauen- und Genderkonferenz der EKS zu engagieren. Zusammen mit Host Michèle diskutieren sie, welchen Stellenwert Gleichstellung derzeit in der Schweizer Politik hat und warum feministische Theologie eine inspirierende Quelle ist.
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00:00:00: Speaker 1: Hallo zusammen, Ihr hört Reflex euren Podcast für evangelisch reformierten Content. Unsere Grüße gehen diese Woche raus an alle, die uns im Ausland zuhören Cool, Seid ihr dabei? Das ist die fünf und zwanzigste Episode von Reflex. Ein kleiner Meilenstein für mich. Danke für eure Treue. Falls ihr diesen Podcast noch nicht abonniert habt, dann macht das doch schnell. Reflex ist und bleibt kostenlos. Habt ihr da draußen euch eigentlich schon mal aktiv darüber Gedanken gemacht, was eure Position in der Gesellschaft ist? Ich habe das letztes Jahr mal getan, und zwar mit den Delegierten der Frauen und Genderkonferenz der EKS. Dazu mussten wir alle eine Power Flower ausmalen. Das tönt erstmal lustig, aber die Power Flower ist eigentlich ein cooles Tool, denn sie besteht aus zwei Blütenkränzen und darauf sind Gegensatzpaare abgebildet. So was wie chronisch krank oder häufig gesund, Schweizerin oder anderer Herkunft. Keinen Bildungsabschluss oder einen höheren Bildungsabschluss. Ich kam also mit dem Ausfall haben ganz gut voran. Ich konnte fast alle Felder der inneren Blume ausfärben, das heißt, gesellschaftlich gesehen hat man gute Karten. Bis ich zu dem Feld kam. Mann oder Frau. Das Blütenblatt für Frau war nämlich im äußeren Kranz. Da habe ich wohl abgelost. Ist man keine männliche Cisperson, bleiben wohl einige Türen verschlossen. Die Erkenntnis ist natürlich nicht neu und so setzen sich Menschen schon seit Jahrzehnten für die Gleichstellung von Frau und Mann ein oder auch von Personen zwischen oder außerhalb dieser Kategorien. Die einen sagen dieser Tage, die Gleichstellung sei doch schon längst erreicht, die anderen. Die Gleichstellung ist noch ziemlich weit entfernt. Wie sehen erfahrene Frauen aus Politik und Kirche das eigentlich? Darüber will ich heute mit meinen Gästen reden. Die beiden Frauen, die mir gegenübersitzen, sind vom Ausschuss der Frauen und Genderkonferenz der IGS. Die Delegierten setzen sich aus Fachpersonen aus den Mitgliedskirchen zusammen und aus evangelischen und ökumenischen Frauenorganisationen und werken. Die Frauen und Genderkonferenz setzt sich für eine geschlechtergerechte Demokratie und feministische Theologie in der IGS ein. Wen könnte man also zum heutigen Thema besser befragen als Yvonne Feri, SP Politikerin, Unternehmerin und Präsidentin des Dachverbands Protestant, und Melanie Muhmenthaler. Sie ist Leiterin der Weiterbildung der Reformierten Kirchen Bern, Jura Solothurn und Vorstandsmitglied der IG feministische Theologin. Herzlich willkommen Ihnen beiden. Danke. Ja, eine Frage vorab Feministin zu sein im Jahr zwei tausend fünf und zwanzig. Was bedeutet das denn für euch ganz persönlich.
00:02:56: Speaker 2: Ich bin, wenn ich überlege, sehr so sozialisiert, feministisch durch irgendwie Lehrerinnen, aber auch vom Elternhaus vielleicht weniger bewusst, aber doch, würde ich sagen, so ein Bewusstsein für eine grundsätzliche Gerechtigkeit, das ist für mich so besonders wichtig, dass ich ein großes Gerechtigkeitsempfinden habe. Und du hast am Anfang jetzt gesagt, mit der Blume und im Frau oder Mann sein oder weiblich gelesen zu werden, bedeutet, gewisse Ungerechtigkeiten einfach mal per se zu erleben. Und dass das ausgeglichen wird, das ist so für mich der Ansporn. Feministin zu sein.
00:03:38: Speaker 1: Wie sieht die woanders?
00:03:39: Speaker 2: Ja, ich wurde in Bezug auf Gerechtigkeit sehr geprägt in meinem Elternhaus. Ich empfand vieles als ungerecht und wehrte mich immer dagegen. Und dann war ich alleinerziehende Mutter. Da musste ich auch immer meine Ellbogen ausfahren, um meinen Platz suchen, zusammen mit meinen Kindern. Und dann, natürlich als Politikerin war es für mich wie klar, dass ich mich diesem Thema widmen möchte. Ich als Feministin verfolge den Weg, egal welches Geschlecht jemand hat. Jede Person soll ihren Weg frei wählen können und der Staat ist dafür verantwortlich, die Strukturen dafür zu schaffen. Wenn ich es politisch ausdrücken möchte mein Engagement gegen patriarchale Strukturen und für die Geschlechtergerechtigkeit und auch ein Engagement gegen sexualisierte Gewalt ist heute wichtig, wenn man Feministin ist.
00:04:41: Speaker 1: Würdest du denn sagen, dass es auch das Thema, was dich in letzter Zeit am stärksten beschäftigt hat? Oder welches Thema ist im Moment für dich in Bezug auf Feminismus das Wichtigste also.
00:04:53: Speaker 2: Was mich sehr betrübt, sind diese Femizide, die schon stattgefunden haben, nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern. Morde an Mädchen, an Frauen aus. Das macht mich sehr traurig. Politisch gesehen ist es die Individualbesteuerung, wo wir vor zehn Tagen darüber abgestimmt haben und wir diese Abstimmung auch gewonnen haben. Also diese zwei Punkte. Und als dritten könnte ich vielleicht noch erwähnen, generell die häusliche Gewalt auch im Kontext von Trennungen und Scheidungen. Das beschäftigt mich auch sehr.
00:05:27: Speaker 1: Wenn ja, welches sind deine wichtigsten Themen ganz im Moment.
00:05:31: Speaker 2: Theologisch oder feministisch?
00:05:32: Speaker 3: Theologisch gesehen bin ich momentan mit einer Kollegin in der Redaktion für ein Tiktok Projekt von frommen Protestanten, in dem es geht, feministische Theologie an ein jüngeres Zielpublikum zu vermitteln. Und das finde ich total Fordernd, aber auch spannend. Also ich fand das generell immer spannend, so das Vermittelnde der akademischen Theologie ins Leben. Was ist wichtig und relevant für diese junge Zielgruppe? Wie viel Christentum muss man irgendwie erklären, aber auch eben wie? Wie kommen politische Themen mit rein? Das ist im Moment das, was mich viel beschäftigt, auch die Auswahl an Themen Was und.
00:06:17: Speaker 1: Wozu habt ihr das letzte Tiktok gemacht?
00:06:20: Speaker 3: Wir sind die Redaktion, wir liefern die Informationen und live die Tiktok erin, die tut das dann vermitteln und im Moment ist es am Start. Was ist feministische Theologie überhaupt und Gottesbild? Ist Gott der Herr und Vater nur oder gibt es weitere Gottesbilder? Und damit verbunden hängen dann halt auch immer Menschenbilder wieder wieder dran? So die ersten feministischen Theologinnen haben gesagt Wenn Gott ein Mann ist, dann ist der Mann Gott. Ja, da hatten wir dann wieder viele Themen, die du angesprochen hast. Was bedeutet das für das Frausein, wenn die Frau einfach so ein Abklatsch vom Göttlichen ist oder nicht?
00:06:59: Speaker 1: Da könnte man glatt einen eigenen Podcast drüber machen.
00:07:01: Speaker 3: Oh ja.
00:07:03: Speaker 1: Ja, das ist schon sehr interessant. Bevor wir weiterreden, habe ich uns noch ein paar Zahlen rausgesucht zu Gleichstellung und Gleichberechtigung Reflektor der Global Gender Gap Report Mars zwei tausend fünf und zwanzig. Die Entwicklung der geschlechterspezifischen Unterschiede in vier Bereichen wirtschaftliche Teilhabe, Bildungsabschlüsse, Gesundheit und Lebenserwartung sowie politische Teilhabe. Von knapp ein hundert fünfzig Ländern belegte die Schweiz immerhin den siebzehnte Platz. Dem nicht unumstrittenen Index nach haben die Schweizerinnen acht und siebzig Komma fünf Prozent der Lücke zu den Männern aufgeschlossen. Die vollständige Gleichstellung wäre schätzungsweise noch ein hundert drei und zwanzig Jahre auf sich warten lassen. Laut dem Gleichstellungsbarometer der Schweiz, das im Jahr zwei tausend vier und zwanzig erschien, bestehen unter dem Begriff Gleichstellung über neunzig Prozent der Schweizerinnen und Schweizer die Gleichstellung zwischen Frau und Mann. Ein Drittel verbindet mit dem Begriff Gleichstellung aber auch die Gleichstellung von Personen, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren. Yvonne und Melanie Diesen Global Gender Gap Report nach fehlt mir also ein und zwanzig Komma fünf Prozent zur Gleichstellung. Holen wir das noch auf oder müssen wir Frauen damit leben?
00:08:20: Speaker 2: Also ich möchte zuerst betonen, dass ich der Meinung bin, dass Gleichstellung nicht nur Frauen betrifft, sondern auch Männer und alle Geschlechter. Es geht ja nicht darum, dass wir uns aneinander angleichen als die verschiedenen Geschlechter, sondern dass wir eben Gerechtigkeit schaffen, dass alle Geschlechter, die ihr Leben ohne Diskriminierung und ohne Zwang leben können. Deshalb spreche ich auch von patriarchalen Strukturen, die es zu beseitigen gilt. Wenn ich auf den Report zu sprechen komme, dann ist es natürlich wichtig, dass alle denselben Lohn erhalten für die gleiche Arbeit oder für die gleichwertige Arbeit, wo wir ja immer noch am Kämpfen sind. In der Schweiz oder auch in anderen Ländern. Und alle auch ihren Teil zur Arbeit übernehmen können. Das heisst als Beispiel Väter betreuen auch ihre Kinder oder die Renten. Sicherheit für alle. Beispielsweise die Altersarmut der Frauen. Also da haben wir wirklich noch viel zu tun.
00:09:22: Speaker 3: Ja, da kann ich anschließen, dass es ja eigentlich um Gerechtigkeit für alle geht, wie du sagst. Und unter diesen patriarchalen Strukturen auch Alle leiden alle Geschlechter, oder? Ja, von der Gerechtigkeit, von der Gleichstellung alle profitieren würden. Und du hast es angesprochen, zum Beispiel mit der Carearbeit. Es gibt ja viele junge Väter heute, die eigentlich gerne diesen Teil übernehmen und und die Familienmodelle gleichberechtigt leben wollen und dann aber an den Strukturen oftmals auch wieder scheitern.
00:09:53: Speaker 2: Oder aus finanzieller oder.
00:09:54: Speaker 3: Aus.
00:09:54: Speaker 2: Finanzieller. Ich kann mein Pensum nicht reduzieren, weil sonst ein Großteil wegfällt. Und dann kommen ja Kita, Kosten und sonstige Kosten hinzu und das Leben ist nun mal relativ teuer. Auch deshalb reduzieren viele Männer nicht ihr Pensum.
00:10:11: Speaker 3: Habe ich.
00:10:11: Speaker 2: Gehört. Also ich habe keine Beweise dafür.
00:10:14: Speaker 3: Ja, höre ich auch. Auch ohne jetzt die Statistiken zu kennen. Aber ja.
00:10:18: Speaker 1: Es ist sehr lebenspraktische Fragen. Da ist die Politik natürlich nah dran. Aber Melanie, was kann denn die Theologie eigentlich da beitragen?
00:10:26: Speaker 3: Einerseits kann die Theologie dieses Gerechtigkeitsdenken, das aus der biblischen Tradition abgeleitet ist, stark machen. Für mich persönlich wichtig ist da zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte oder eine der Schöpfungsgeschichten, in der die Menschen als weiblich und männlich erschaffen werden, in Gottes Bild also weiblich, männlich und alles zwischendrin. Eigentlich sind Gottes Ebenbilder und das gibt eine Würde. Von daher kann die Theologie argumentieren. Und andererseits Natürlich ist Theologie oft mit Kirche und kirchlichen Strukturen verbunden. Und ich denke, da kann sie Zeichen setzen, dass die Kirchen sich selbst hinterfragen und schauen wo leben wir? Gerechtigkeit eben aller Geschlechter.
00:11:12: Speaker 1: Also es wäre sozusagen ein Anfang, das auch erst mal den Kirchen berufen schon mal umzusetzen. Genau.
00:11:17: Speaker 3: Genau. Ja.
00:11:18: Speaker 1: Und ihr beide kommt ja aus unterschiedlichen Hintergründen, also aus Politik und Wirtschaft. Und Melanie, Du eben eher aus Theologie und dem Bildungsbereich. Ihr seid jetzt beide im Ausschuss der Frauen und Genderkonferenz. An welchen Stellen merkt ihr, dass sie da irgendwie unterschiedlich herangeht?
00:11:35: Speaker 2: Also wir hatten gar noch nicht so viele Gelegenheiten dazu, weil wir erst eine Sitzung hatten. Vielleicht in der Ausrichtung der Themen kann ich mir vorstellen, dass das wir da vielleicht unterschiedliche Akzente setzen würden. Das wird sich jetzt zeigen. Wir haben demnächst eine Sitzung und werden unsere nächste Tagung besprechen. Da bin ich dann gespannt, in welche Richtung das gehen wird. Ich bin es gewohnt aus der Politik. Da kann man etwas machen mit Petitionen, mit Aufrufen, mit Kampagnen und das wird in der Kirche weniger möglich sein. Da wird es sicher Unterschiede geben mit den Ideen, den Sachen, die wir einbringen. Aber ich schaue es eigentlich als bereichernd an, weil wir lernen voneinander und können davon nur profitieren.
00:12:20: Speaker 3: Ja, das denke ich auch. Wir sind beide noch relativ neu im Ausschuss und müssen jetzt zuerst die Zusammenarbeit finden. Aber ich denke auch, dass wir wie von zwei Perspektiven auf ein Thema schauen. Ich denke, dass wir da auch voneinander lernen können, gerade von deiner Erfahrung aus der Politik. Die Kirche ist ja eigentlich auch Synodal parlamentarisch aufgebaut. Und da gibt es schon auch ähnliche politische Strukturen und Wege, wo wir sicher von deinem Wissen auch profitieren können. Ich versuche es.
00:12:51: Speaker 1: Yvonne, Du hast ja eben schon einige Themen genannt, die jetzt eben in der Politik in Bezug auf Frauen und Gender wichtig sind, zum Beispiel auch Bekämpfung häuslicher Gewalt. Denkst du denn, feministische Anliegen haben im Moment ein gutes Klima oder sind die Aussichten gerade schlechter?
00:13:08: Speaker 2: Ja, da gibt es verschiedene Seiten. Irgendwie muss ich es unterscheiden. Sagen wir mal die internationale Ebene. Da sind wir, wenn ich es deutlich sage, in einem katastrophalen Zustand zurzeit. Wir haben da viele männliche, spürbare männliche Machtpolitik, wo Nationalismus und Backlash zur Norm gehören. Also gerade dieser Backlash. Da gibt es auch verschiedene Berichte darüber. Das trifft mich sehr. Was wir da erreicht haben, geht weit zurück. Und das hat viel zu tun mit mit dieser Machtpolitik der Männer, die da an der Macht sind. Und das schwächt auch die UNO aus meiner Sicht, weil die UNO ist ja für die Umsetzung auch der Geschlechtergleichstellung für alle Menschen ein großer und wichtiger Player. Und national haben wir, wie bereits erwähnt, die Individualbesteuerung gewonnen. Das zeigt, dass Allianzen möglich sind und dass wir dann auch gewinnen können und vorwärts gehen können. Wir haben aber auch national ein großes Gewaltproblem Die sexualisierte Gewalt und die Sparpolitik, die national vorherrscht, die ist nicht gut für Gleichstellungsanliegen. Es braucht dann sehr viel Effort von den Politikerinnen, dass sie diese Budgetpositionen quasi retten können. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir dabei auch die Zivilgesellschaft anschauen, weil die Zivilgesellschaft, die bleibt dran und die lässt sich nicht runterkriegen. Was sich damals als amtierende Politikerin immer gesagt habe, ist das Thema der Gleichstellung. Oder das Argument Wir wollen etwas für die Gleichstellung machen, zielt, solange man dabei sparen kann, in den Augen der bürgerlichen Politiker und Politikerinnen im Parlament. Sobald Gleichstellung etwas kostet, dann will man die Gleichstellung nicht mehr. Also das ist so ein Satz, den ich öfters einfach sagen musste, weil es wirklich das Fazit war aus dem Zuhören und aus dem Argumentarium der bürgerlichen Seite.
00:15:17: Speaker 1: Was würdest du denken, Was ist da das passende Mittel, was wir auch wählen können? Müssen wir Frauen öfter auf die Straße gehen? Müssen wir demonstrieren, Petitionen, Denkschriften rausgeben oder auch Vielleicht geht es über Predigten über Social Media? Oder müssen wir alle das machen.
00:15:34: Speaker 2: Wir müssen alles machen. Das ist wie bei einer Wahlkampagne, Da muss man auch alles machen. Wenn man etwas erreichen will, gehören Demos dazu, Petitionen, Denkschriften, Predigten. Aus Kirchensicht soziale Medien wie das Projekt Tiktok, wo wir jetzt dran sind. Es ist ein Strauß von vielen Dingen und man muss es gezielt einsetzen und nichts vergessen dabei. Weil die Menschen sind ja sehr divers. Jemand liest die Zeitung, jemand ist auf sozialen Medien, jemand geht lieber an eine Demo, jemand sieht die Plakate. Da muss man wirklich sehr gut hinschauen und überlegen Was ist jetzt passend?
00:16:15: Speaker 3: Ich denke auch, wichtig ist auf allen Ebenen, um etwas zu erreichen. Ich merke so vielleicht bei meiner Generation, dass ich so, so gefühlt oftmals einen Rückzug ins Private wahrnehme und und dass das, das man doch nicht vergisst, dass es eben auch politische Prozesse Engagement braucht und dass noch nicht alles erreicht ist. Ich höre in der Kirche ganz ähnlich mit der Gleichstellung, dass die Kirche auch sehr unter Spardruck steht. Und dann diese Genderfragen vergisst und doch wieder bei einer jüngeren Generation oder durch durchs Band weg glaube ich viele Pfarrpersonen Pfarrerinnen sich dem bewusst sind und damit eben auch die Predigt zum Beispiel aufnehmen. Wobei ich weiß jetzt nicht, wie viel Reichweite ja doch so schweizweit gesehen hat die Predigt vielleicht schon noch eine große Reichweite. Aber ist ja immer auch wieder die Diskussion wie politisch darf Kirche sein? Und da gibt es eine starke Tendenz. Da bin ich auch sehr ambivalent mit Backlash, die sagt nur privat. Aber ich glaube, gerade die feministische Theologie und ich kenne viele Frauen, die feministische Theologinnen sind oder sich feministisch verstehen, dass das immer auch eine politische Komponente hat. Nicht im Sinne politisch und parteipolitisch, aber im Sinne von das gesamtgesellschaftliche Sehen im Blick haben und eben nicht ins Private oder oder das eigene Seelenheil, sondern die ganze Gesellschaft im Blick habt.
00:17:47: Speaker 1: Ihr habt das ja auch beide angesprochen. In den vergangenen Jahren Jahrzehnten wurde auch viel erreicht, politisch, rechtlich, in Beziehungen, in Rollenbildern, auch in der Kirche. Und jetzt kommt so eine Zeit. Manche wollen das Rad zurückdrehen. Ihnen ist das zu emanzipiert. Sie fühlen sich von Woognis angegriffen oder möchten zu klassischen Rollenmodellen zurückkehren. Und diese feministischen Errungenschaften werden fast für selbstverständlich genommen. Wir müssen jetzt wieder lauter werden, oder? Und dafür aufstehen?
00:18:18: Speaker 3: Ja.
00:18:19: Speaker 2: Also wenn ich daran denke, was vielleicht unsere Großmütter noch gemacht haben, oder dass wir erst seit neunzehn hundert ein und siebzig das aktive Stimm und Wahlrecht haben. Das ist ja erst vorgestern. Eigentlich. Das ist noch nicht sehr lange und sonstige Rechte, die wir haben, sei es im Scheidungsrecht, dass es nicht mehr einen Schuldigen, einen Schuldigen gibt oder dass die Frauen dann auch arbeiten konnten, also das neue Eherecht, das sind so wichtige Errungenschaften und ich gehe davon aus, die bleiben. Also das wäre schlimm, wenn das dann wieder ein Rückschritt wäre. Unsere Generation und die meiner Mutter, allenfalls die wollten etwas erreichen, die wollten rausgehen, die wollten sich bilden, weiterbilden, die wollten einen Job haben, einen Beruf haben. Und heute höre ich von jungen Frauen, und das liest man auch. Oder es gibt sogar Doksendungen darüber, dass viele junge Frauen ich weiß nicht wie viele, aber dass viele junge Frauen heute am liebsten einen reichen Mann hätten und sie zu Hause bleiben könnten und Kinder haben und gar nicht daran denken. Was hat das für eine Auswirkung? Sondern das ist ihr Lebensziel. Und ich verurteile das nicht. Es soll jeder und jeder die Wahl haben. Aber wenn ich daran denke, dass es halt leider sehr viele Scheidungen gibt, sehr viele Trennungen gibt und dann die Frauen vielleicht ohne Altersvorsorge dastehen, dann muss ich sagen Ja. Aber man sollte doch schon früher daran denken, dass das Leben nicht geradlinig geht und auch die eigene Zufriedenheit. Ich war auch einige Jahre Vollmama und zu Hause, habe im Homeoffice etwas arbeiten können. Das war mein Glück, das ich hatte. Und ich habe das genossen und das war wichtig für meine Kinder und auch für mich. Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, das fünfzehn Jahre zu machen. Und ich glaube, dort müssen wir schauen, dass die Frauen ihre Wahl haben, wie die Strukturen zur Verfügung stellen und auch die Lust haben, etwas zu machen. neben Haushalt und Beruf oder ihre Männer mehr mit einbeziehen. Das hat ja auch viel mit der Gleichstellung zu tun. Ich möchte betonen Ich verurteile kein Modell. Alle sollen die Wahl haben. Aber als Feministin hätte ich es natürlich gerne, wenn die Frauen da auch aktiv unterwegs. Ich habe jetzt etwas ausgeholt und.
00:20:43: Speaker 1: Das macht gar nichts.
00:20:44: Speaker 3: Ich finde das aber eine spannende Wahrnehmung, die ich irgendwie teilen würde. Und ich frage mich Ist etwas, das wir in letzter Zeit, so ich mich da. Kopfzerbrechen als kinderlose Frau, dass ich den Eindruck habe, dass Frausein und Muttersein wieder sehr zusammenfällt, also gerade auch in feministischen Kreisen. Also ich finde es total wichtig, eben diese Carearbeit und. Aber das Hintertürchen kommt dann Frau ist gleich Mutter und wer nicht Mutter ist, als Frau hat eigentlich.
00:21:16: Speaker 1: Ist zumindest in Erklärungsnot. Genau das stelle ich immer wieder fest.
00:21:21: Speaker 2: Genau so ab dreißig fangen die Fragen an oder Wann bekommst du ein Kind?
00:21:25: Speaker 3: Und dann sind wir wieder bei den Strukturen, die es dann einfach einfacher machen, glaube ich für für viele Frauen mit Kindern, dass man sich eben dann ins klassische Rollenmodell begibt. Weil ich glaube, es gibt einerseits zumindest glaube ich, in großen Teilen der Schweiz mehr Anerkennung, wenn man so für die Kinder da ist. Man hat weniger Stress mit Organisieren. Es ist finanziell einfach, wenn man einen reichen Mann hat.
00:21:54: Speaker 1: Einfach genau diese Felder, die ihr gerade angesprochen hat, die hat dieses nationale Barometer für Gleichstellung auch gemessen. Die Befragten haben da genannt die häufigsten Felder, wo sie denken, da sind wir von der Gleichstellung noch am weitesten entfernt. Und das waren Lohngleichheit mit fünf und siebzig Prozent, Vereinbarkeit von Arbeit und Familie mit drei und sechzig Prozent Karrieremöglichkeiten mit zwei und fünfzig Prozent und ungleiche Verteilung von Hausarbeit waren dann noch fünfzig Prozent, die das genannt haben. Also man merkt bei drei dieser vier Topthemen, es geht um Finanzen, also löst letztendlich der Markt unser Problem mit dieser Ungleichheit aus. Wie wehrt man sich denn überhaupt dagegen?
00:22:38: Speaker 3: Wirklich eine schwierige Frage. Also ich weiß nur ich. Ich glaube nicht, dass der Markt das löst.
00:22:44: Speaker 2: Ich politisierte ja als ich der EZB und habe daher eine klare Überzeugung, dass der Markt Regeln braucht. Aber diese Regeln nicht über den Gesetzen steht. Also das Gesetz, die Bundesverfassung ist zu oberst. Dann kommen die Gesetze und der Markt braucht diese Regeln. Ich habe mal einen interessanten HsgProfessor gehört, der gesagt hat zu seiner Klientel, die eher gegen Gesetze sind, sagt er Ihr seid selber schuld. Würden wir korrekt handeln, wäre Gleichstellung ein hoher Wert. Dann bräuchten wir nicht so viele Gesetze. Aber diese Gesetze braucht es jetzt nun mal, und in der Gleichstellung sehen wir, dass die Marktlogik nicht fähig ist, diese Geschlechtergerechtigkeit wirklich herzustellen. Und bei diesen angesprochenen Themen geht es ja auch um Werthaltungen oder um Geschlechterzuschreibungen. Wer kann was besser? Wie Melanie gesagt hat Care Arbeit wird den Frauen zugestoßen. Männer werden dann als führungs und durchsetzungsstark wahrgenommen. Die Frauen wir umsorgen und engagieren uns für die Gemeinschaft. Aber das könnten ja auch die Männer. Und auch Frauen sind durchsetzungs und führungsstark. Wir alle befinden uns aber in dieser Falle der Stereotypen. Ich nehme manchmal bei mir auch wahr. Jetzt hast du, da hattest du einen Gedanken, Der ist nicht gut. Dann korrigiere ich mich. Aber wichtig ist zu merken, dass wir da in Stereotypen unterwegs sind. Und genau deshalb braucht es diese Strukturen, um Diskriminierungen aufzulösen. Es braucht diese Gesetze vor allem auch in der Lohngleichheit, aber nicht nur dort. Und es braucht die Quoten für Führungsfunktionen in Unternehmen. Es braucht die Familienzeit und vielleicht auch ArbeitszeitVerkürzungen oder andere Modelle.
00:24:36: Speaker 1: Ich finde es aber auch spannend, dass ihr gemerkt habt, man kann das quasi nicht nur mit festgesetzten Regeln lösen oder festgesetzten Gesetzen. Also klar, sie sind notwendig, aber was dem vorausgeht, ist so eine Veränderung des Rollenbildes. Und ich denke, da kann auch Theologie, da kann auch Kirche total viel beitragen und hat viele Quellen und und und hält uns dazu an zu reflektieren und zu sagen Ja, was ist denn, Mann, was ist denn Frau, was ist Gender? Erst mal das auseinanderzunehmen, unsere hinterliegenden Logiken, um zu einer anderen Gesellschaft zu kommen.
00:25:13: Speaker 2: Ja, die Gesellschaft hat eine grosse Aufgabe, eben wie diese Stereotypen zu hinterfragen. Und da gehören ja auch Bilder dazu, die wir in Werbung wahrnehmen oder auf den sozialen Medien. Das können wir so schlecht steuern, wir können es nur immer wieder hinterfragen. Wirklich diesen allen Geschlechtern die Wahl zu lassen, was sie in ihrem Leben tun wollen. Wenn ein Vater Hausmann sein möchte und auf seine Kinder schauen und die Mutter hochProzentig arbeitet, das soll doch normal sein können. Das muss heute zugelassen werden.
00:25:50: Speaker 3: Da finde ich es spannend, dass in der Kirche oft geredet wird. Also jetzt nicht in der feministischen Theologie, sondern auch in breiten Kreisen, dass man gabenorientiert arbeitet, also dass man irgendwie die Talente, die Fähigkeiten, die ein Mensch mitbringt, nutzen kann. Und das ist dann wieder so seltsam, dass dann plötzlich diese Fähigkeiten ans Mannsein oder Frausein geknüpft werden. Und da kann Kirche schon auch sagen, aus theologischen Gründen. Wenn wir sagen, ein Mensch hat Fähigkeiten und Begabungen und die sollte und dürfte er und sie einsetzen und und verwirklichen im Leben, um der Gemeinschaft zu dienen, dann sollte das nicht am Geschlecht oder Gender fest sein, sondern eben am Menschen.
00:26:32: Speaker 2: Ich glaube, eine Rolle kann man klar zuschreiben, Das ist in der Sexualität, im Kinderkriegen. Also wer wird schwanger? Das kann man gut zuschreiben und das ist auch gut so, aber Eltern sein, das sind dann wieder alle Geschlechter schlussendlich.
00:26:48: Speaker 3: Wobei dann irgendwie die neueren Diskussionen mit Nonbinarität, mit Transmännern, die auch schwanger werden können. Das finde ich manchmal tatsächlich auch schwierig und da komme ich an meine Grenzen. Also einfach des Verstehens auch. Und wie reden wir dann noch? Genau das gebärfähige Menschen und weiß denn auch das ist total umstritten oder ist wieder im Backlash so rote Tücher merkt das aber auch bei Feministinnen. So eine also nicht durchs Band weg, aber zum Teil Generationen fragen wie wie, wie reden wir über das Menschsein? Frau sein, Mann sein. Finde es aber auch spannend und lerne auch immer wieder dazu.
00:27:28: Speaker 2: Und ja, da muss ich auch lernen. Ich meine, ich bin jetzt doch schon sechzig und verwende sicher nicht immer die modernsten Begriffe, höre da auch den jüngeren Feministinnen gerne zu und versuche da mitzukommen. Aber das ist auch nicht immer ganz einfach.
00:27:46: Speaker 3: Ja.
00:27:47: Speaker 2: Aber ich glaube, es ist einfach gut, dass es in jeder Generation Feministinnen gibt, das Thema nicht vergessen und die wirklich schauen, dass wir diese Gleichstellung leben können.
00:27:58: Speaker 3: Ja, und ich finde auch wichtig, dass wir wissen, auf wessen Schultern wir stehen. Dass eben diese Generation von Feministinnen vor uns ja auch Kämpfe errungen haben und und, und. Dass gewisse Dinge, die für mich selbstverständlich sind und waren, für die ich nicht mehr so selten oder nicht selbstverständlich waren. Das finde ich schon noch wichtig, dass man auch voneinander lernen kann.
00:28:20: Speaker 1: Meine Frage ist wo ist das Feld, wo man das lernen kann? Gibt es inzwischen an Schweizer Universitäten Lehrstühle für feministische Theologie oder ist das immer noch ein stiefmütterlich behandeltes Thema?
00:28:33: Speaker 3: Schwierig zu sagen. Ich weiß von der Universität Bern, dass vor allem die Studierenden das einfordern. Es gibt nicht einen Lehrstuhl für feministische Theologie. Ich weiß auch nicht, ob ich das erstrebenswert finden würde, weil dann ist das so, da ist die feministische Theologie und da ist die eigentliche Theologie. Ich fände es eigentlich cool und wünschenswert, wenn feministische Theologien ganz selbstverständlich in allen Fächern der Theologie gelehrt werden. Und ich glaube, je länger, je mehr ist das auch der Fall, dass der Professoren und Professorin sensibel sind dafür.
00:29:11: Speaker 1: Warum siehst du das? Also inspiriert sich eigentlich die Theologie aus aktuellen politischen Diskussionen wie das, was Yvonne genannt hat, gerade? Oder sind die feministischen Theologinnen eher so eine Art Prophetin und sehen so Themen, die dann aufkommen?
00:29:25: Speaker 3: Ich weiß gar nicht, ob man das so genau sagen kann. Entweder oder. Ich glaube eigentlich beides, weil gerade feministische Theologie sich immer gespeist hat aus dem Zeitgeschehen. Also die ersten feministischen Theologinnen waren da, als auch erste Feministinnen in der Politik aufkamen und das ging, glaube ich, so Hand in Hand, dass man gemerkt hat Aha, eben Frauenrechte. Da kann man auch aus Kirchensicht viel dazu beitragen. Ist auch spannend. Es gab vor Jahren mal ein Sammelwerk von Angela Berlitz, die Theologin, Professorin an der Uni Bern, Christ, katholisch und.
00:30:04: Speaker 1: Die hat schon zu Gast im Podcast.
00:30:07: Speaker 3: Genau. Und die hat irgendwie politische Reden aus dem neunzehnte Jahrhundert untersucht. Und das war spannend. Die die Frauen also vor allem nicht nur zu Frauenrecht, glaube ich. Aber die haben so viel kirchliche und biblische Metaphern und Beispiele mit in die politische Rede genommen, weil es halt einfach selbstverständlich war. Und ich glaube, so versteht sich heute feministische Theologie auch. Also ich fände es auch wieder wünschenswert, generell Theologie, dass die nah am Leben ist und einerseits halt Analyse betreibt, auf die Gesellschaft schaut und und und da einerseits prophetisch wirkt. Aber natürlich speist sich das auch aus aus den Dingen, die da sind. Also ich würde sagen beides.
00:30:54: Speaker 1: Und ihr habt in der Vision der feministischen Theologinnen geschrieben. Das fand ich sehr schöner Satz. Wir vertrauen auf die befreiende Kraft der feministischen Theologie. Was ist damit gemeint?
00:31:07: Speaker 3: Feministische Theologie ist Befreiungstheologie, immer auch Befreiungstheologie. Die schaut auf das Leben, was da ist, auf den Alltag und und schaut genau darauf. Was ist befreiend auch an der biblischen Botschaft. Lies die Bibel genau, aber auch immer gegen den Strich etwas. Oder mit der sogenannten Hermeneutik des Verdachts, dass die biblischen Texte patriarchale Texte sind, aber darin eben das Befreiende zu sehen. Genau diese Kraft, auf diese Kraft befreiende Kraft zu vertrauen, das ist unsere Vision bei den feministischen Theologinnen. Genau.
00:31:48: Speaker 1: Was würdest du denn sagen? Was kann denn die Kirche in die heutige politische Diskussion um Rechte von Minderheiten und Benachteiligten eigentlich beitragen?
00:31:59: Speaker 3: Ist die Frage, wie viel sie noch beitragen kann, als immer mehr eine Minderheitenposition ist. Und doch hat es ja schon noch ein gewisses Gewicht. Ja, kann vielleicht eine Stimme sein für. Für mehr Gerechtigkeit. Eine Stimme für Gleichstellung aller Geschlechter.
00:32:16: Speaker 2: Ich glaube, die Kirche kann auch Ethik und Menschenrechte.
00:32:20: Speaker 3: Vertreten.
00:32:22: Speaker 2: Und muss das in meinen Augen auch tun. Das ist auch irgendwo ihre Aufgabe.
00:32:26: Speaker 3: Ja, genau.
00:32:27: Speaker 2: Weil das sind ja gerade die Ethik. Das Ethische Fragen beleuchten wenige andere Institutionen. Die Politik beispielsweise ist da eher vorsichtig, wenn es um ethische Fragen geht. Und deshalb, glaube ich, braucht es auch eine Kirche, die in ihrem Sinne politisch aktiv ist und sich für alle Menschen einsetzt. Ich glaube schon, dass die Kirche, auch wenn jetzt die Mitgliederzahlen zurückgehen, wenn die Kirchen eher leer sind, doch einen großen Einfluss hat. Nach wie vor.
00:33:04: Speaker 3: Weil ich ich höre halt genau vielleicht von den paar Personen, den Jüngeren so eben einen gewissen. Auch ein gewisses Bedauern über den Relevanzverlust der Kirche. Aber ich glaube tatsächlich auch nicht, dass das die Kirche gar keine Stimme mehr hat. Und ich glaube, dass sie relevant ist. Tatsächlich, wie du sagst, wenn sie sich da stark macht, wo sie Kompetenzen hat.
00:33:27: Speaker 2: Also die Menschen, die suchen ja heute auch den Sinn des Lebens und befassen sich mit Spiritualität. Und die Spiritualität verbindet sich in meinen Augen ja auch mit mit Religion. Schlussendlich also daran zu glauben, dass es eine höhere Kraft gibt. Aber die Menschen, die wollen sich nicht mehr so einbinden lassen. Aber das ist nicht nur bei der Kirche so, das ist auch in Verbänden so, also Sportverbände, die keine Leute mehr finden, die sich aktiv engagieren wollen oder andere Verbände. Einfach als kleiner Vergleich, wenn wir durch Gemeinden laufen, wenn wir die Ohren offen haben, die Augen offen haben, dann sehen wir Kirchen. Dann hören wir das Kirchengeläut. Und das macht ja etwas mit uns. Es ist, wie wenn wir, wenn wir einen Muezzin hören, wenn wir in einem islamischen Land sind. Das macht etwas mit uns. Wir nehmen es wahr. Und ich finde, deshalb hat die Kirche in ihrer Form schon noch einen Einfluss. Schon rein deshalb, weil sie sichtbar ist.
00:34:28: Speaker 3: Wir prägen vielmals das Stadtbild. Ich habe gesagt, als ich hierhin gefahren bin, habe ich so zwei Kirchen gesehen, hinter dem Bergmassiv. Das stimmt. Das macht so was. Ja.
00:34:38: Speaker 1: Es geht nicht nur darum, glaube ich, die Kirche im Dorf zu lassen, sondern auch so noch mal stark das Evangelium zu betonen, was ja auch uns als Kraftquelle dient. Und ihr habt ja beide stark davon gesprochen. Es geht euch um Gerechtigkeit. Ich ich sehe da auch stark eine Evangeliumsbotschaft, gegen Ungerechtigkeiten aufzustehen. Also das ist ja wirklich ein Kern eigentlich vom vom Christsein. Und so eine Vision zu entwickeln, Wie könnte denn eine Welt aussehen, die besser ist oder die näher am Reich Gottes dran ist? Oder die Frauen Und Genderkonferenz macht ja auch konkrete Dinge, die die Kirche beeinflussen. Vielleicht könnt ihr darüber ein bisschen was erzählen, auch wenn er noch neu im Vorstand seid.
00:35:21: Speaker 2: Wir planen immer Tagungen für Frauen und Männer, glaube ich. Da muss ich jetzt aufpassen.
00:35:27: Speaker 1: Bin ich jetzt nicht männlich?
00:35:29: Speaker 2: Genau. Es hat auch männliche Vertreter dabei. An diesen Anlässen. Genau. Also, wir haben eine Strategie, die ich jetzt nicht auswendig herunterlesen kann. Aber das Ziel ist schon, dass wir uns wie stark machen. Dafür, dass Frauen auch Macht bekommen in Kirchen und Entscheidungen treffen können, also ihren Platz finden in der Kirche. Bei der letzten Tagung ging es jetzt mehr um Rassismus. Das war auch spannend. Das ist ja auch ein Thema, das die Kirchen sehr beschäftigt. Jetzt, das nächste Mal, wenn es nach mir ginge, ginge es wirklich so etwas um. Wie sind die Machtstrukturen und wie kann man Entscheidungen fällen? Und wie bekommen die Frauen die Plätze in den. In diesen Gremien der Kirchen hört man sie. Also das ist wirklich so, ich meine, das ist ja auch bei uns. Die FKK ist ja in der Synode vertreten, das sind zwei Personen, da bin ich eine davon. Und ich habe jetzt doch schon zwei Synoden miterlebt. Wir haben da ein Rederecht, aber kein Stimmrecht. Und vom Protestant hat so ein Gast recht. Beispielsweise Ich bin nicht vom Protestanten dort. Ich bin wirklich für die FKK in dieser Synode. Und wir sind jetzt daran, auch bei den Protestanten zu schauen. Wie können wir sie stärker mit einbeziehen in die Synode. Ich glaube, es wäre wichtig, dass wir da auch verbindliche Strukturen hätten seitens der Synode zu der zu der Frauen und Genderkonferenz vielleicht mit Stimmrecht. Das stelle ich jetzt mal so in den Raum, könnte ja ein Weg sein.
00:37:15: Speaker 3: Sprichst du was Wichtiges an? Auch denke ich mit dem Wie engagieren sich Frauen in der Kirche? Auch kirchenpolitisch. Das ist, glaube ich schon so, dass oftmals in der Kirche Frauen sehr an der Basis arbeiten, vielleicht noch in Kirchenpflegen sind, auch immer mehr Kirchenpflege Präsidien übernehmen. Und doch geht auch das Wissen verloren um die Strukturen, einfach um die Institution, weil man nicht mehr so mit ihr verbunden sind und dass es politische Wege gibt. Und für mich jetzt nicht nur frauenspezifisch, aber ich finde das immer spannend, dass zum Beispiel die Synoden bei den Kirchgemeinden, dass da immer jemand für die Synode gewählt wird, der so zum Teil nicht immer, aber oft so lose mit der Kirchgemeinde noch verbunden ist. Aber das Bewusstsein nicht da ist, dass die Synode eine ganz wichtige politische Stimme. Das ist der Ort, wo die Gesetze gemacht werden, wo das besprochen wird, was dann in der Kirchgemeinde ausgeführt werden muss. Da auch vor allem Frauen ermutigen, sich die politischen Prozesse anzueignen oder zu wissen, wie Wie kann ich mir Gehör verschaffen? Und da ist die FGK ein eine wichtige Stimme. Jetzt auf der schweizweiten kirchenpolitischen Ebene.
00:38:31: Speaker 1: Ihr habt jetzt schon gesagt, die Frauen müssen versuchen, in diesen Gremien vertreten zu sein, ihren Sitz zu finden. Wenn ich jetzt auch mal allgemein in die Politik schaue, dann beträgt der Frauenanteil jetzt national. Mal schauen, so dreißig, manchmal knapp vierzig Prozent. Yvonne Würdest du denn sagen, dass das die bloße Repräsentanz ein wichtiger Faktor ist, oder? Wenn jetzt fifty fifty Frauen und Männer vertreten wären, hätten die Frauen das Gleiche zu sagen.
00:39:02: Speaker 2: Nein.
00:39:05: Speaker 1: Es gibt eben doch noch einen Unterschied.
00:39:06: Speaker 2: Na ja, es gibt schon Unterschiede. Also es gibt so Aussagen, die sagen, oder die beruhen darauf, dass, wenn in einem Gremium nicht mindestens ein Drittel vom anderen Geschlecht, also jetzt in diesem Fall von Frauen vertreten sind, dass man sie nicht hört. Also es ist wichtig, dass genügend Frauen in einem Gremium vorhanden sind oder dass alle Geschlechter in genügend hoher Anzahl vertreten sind. Wenn wir es richtig formulieren wollen. Und dann braucht es aber auch an den wichtigen Präsidien oder Führungsfunktionen, braucht es auch diese diverse Zusammensetzung. Schauen wir mal den Bundesrat an Als da mal eine Frauenmehrheit war, gab es einen riesen Aufschrei im ganzen Land und das kann es doch nicht sein. Also ja, kann jetzt dieser Bundesrat? Überlebt jetzt der noch? Und kann der das Land führen mit so vielen Frauen? Es sollte doch einfach normal sein, dass Frauen auch wichtige, sehr wichtige Positionen überall einnehmen und sie so auch ihre Kompetenzen leben können und auch ihre Macht, die sie dann haben. Sie ist ja auch. Es geht ja dann auch um Macht und ich finde, es ist überhaupt kein Problem mehr, wenn wir in diese Richtung oder in eine Zeit gehen würden, wo das immer wieder etwas ausgeglichen ist. Dann gibt es mal ein paar Männer mehr, dann sind mal ein paar Frauen mehr und dann ist es aber auf Auf Jahre gesehen ist das ein guter Ausgleich, dass alle Geschlechter gut vertreten sind. Und es braucht Frauen an diesen Stellen, damit sie die Macht ausüben können. Unbedingt. Also ich komme da auf eine Aussage. Also haben wir Gleichstellungsthemen eine gute Zeit. Wenn ich schaue, wie viele Männer im Krieg stehen, jetzt ich sage jetzt die Männer, die die Kriege auslösen, dann frage ich stelle ich mir oft die Frage Was wäre, wenn Frauen diese Länder regieren würden? Ich weiß nicht, ob es dann keine Kriege geben würde. Ich möchte das nicht behaupten, aber vielleicht würde man, würde man etwas weniger Kriege haben, einfach weil wir vielleicht anders verhandeln, unsere Macht anders ausüben, andere Schwerpunkte setzen. Und deshalb braucht es diese diversen Gremien, divers zusammengesetzt.
00:41:29: Speaker 3: Vielleicht damit zusammenhängt. Ich überlege jetzt gerade eben ist es am Frausein, Mannsein an den Zahlen auszumachen? Sicher, einerseits, wie du sagst, dass diverse Gremien das ist ja auch erwiesen, dass die auch kreativer zusammenarbeiten. Und das andere ist ja, was du ansprichst die Kultur. Wie verhandelt man miteinander, Wie redet man miteinander? Wie ist der ganze, die ganze politische oder Gesprächs Debattenkultur? Und braucht es da nicht auch eine Veränderung? Also ist es damit getan, wenn gleich gleich zahlen oder anteilsmäßig die Diversität da da ist oder erreicht ist? Oder muss sich nicht auch die ganze Kultur oder Struktur dann ändern? Oder ändert sich automatisch, wenn es diverser ist.
00:42:16: Speaker 2: Und es geht ja dann noch weiter, oder? Also man muss dann auch schauen, genügt es, wenn Frauen vertreten sind? Eben eher nicht. Sag ich jetzt mal, es muss sich ja auch einiges ändern. In der Bildung, denke ich, sind wir auf einem guten Weg. Ich hoffe nicht, dass es da einen Backlash gibt. Aber beispielsweise bei der Vermögensverteilung gibt es sicher große Unterschiede, da Ja, es braucht einfach nach wie vor viel Arbeit, Damit diese Macht auch ausgeübt werden kann. Auch wenn wir Frauen irgendwo vertreten sind, ist es immer noch nicht gleich.
00:42:53: Speaker 1: Yvonne Du hast es eben schon gesagt Du bist eben auch Präsidentin der Farm, Protestant. Vielleicht kannst du kurz erklären, was diese Vereinigung eigentlich macht.
00:43:03: Speaker 2: Kurz ist etwas schwierig in Mittellang. Ja, wir versuchen wirklich, die progressive feministische Stimme zu sein. In der Kirche, in der reformierten Kirche. Das ist uns wichtig und dafür haben wir verschiedene Projekte. Da ich jetzt auch erst ein Jahr dabei bin, auch als Präsidentin erst ein Jahr, haben wir unsere Strategie leicht angepasst. Wir sind jetzt an diesem Tiktok Projekt. Wir möchten gesehen werden, wir möchten sichtbar sein. Wir versuchen unsere Stimme zu erheben, auch in auch im gesellschaftspolitischen Bereich. Also wir beteiligen uns am Vernehmlassungen und geben da eine feministische Stimme ab. Also wir wollen wirklich weit gesehen nicht nur in der Kirche, sondern auch außerhalb unsere progressive feministische Stimme einzugeben. Wir möchten gerne natürlich, dass sich dann auch Pfarrerinnen und andere theologische Personen uns anschließen und uns unterstützen in diesem, in diesen Bemühungen.
00:44:10: Speaker 1: Und die FGK plant ja gerade eine Tagung zum Thema politisches Engagement in der Kirche. Also insofern ist dein Wunsch ein wenig in Erfüllung gegangen. Was sind da eure Erwartungen an diese Tagung?
00:44:27: Speaker 2: Es geht da um Macht und um Entscheidungen. Dass wir die Wege partizipativer gehen und die Entscheidungen diverser werden, damit wir Frauen empowern können, um diese Wege auch zu gehen. Um aufzuzeigen, wie funktioniert das? Vielleicht in der Gesellschaftspolitik? Und wie könnte es in der Kirchenpolitik funktionieren? Was können wir voneinander lernen? Meine Idee ginge wie weiter, Dass wir wirklich auch in der Kirche viel mehr Frauen hätten, die Machtpositionen innehaben. Sagen wir es mal so eben nicht das Kuchenbuffet gestalten. Es ist auch wichtig, aber nicht nur. Sondern wirklich auch wichtige Funktionen übernehmen können in der Kirche.
00:45:13: Speaker 3: Und ich glaube, dazu braucht es wirklich, wie du sagst, einerseits das Wissen, aber auch den Mut, die Ermutigung. Also es ist ja oft so, wenn man Frauen fragt, dann trauen sie sich erstmal nicht zu. Gerade irgendwie so wichtige machtpolitische Positionen. Da finde ich das wichtig, dass man, dass die Frauen, die da teilnehmen, dann einerseits ermutigt werden, andererseits auch vielleicht sich vernetzen und sehen Ich bin nicht alleine und. Und so sich vielleicht das eher zutrauen oder auch wissen als auch alles möglich ist. So gehe ich innenpolitisch.
00:45:47: Speaker 2: Oder vielleicht auch zu lernen, mit Widerständen umzugehen.
00:45:50: Speaker 3: Also ja, genau.
00:45:51: Speaker 2: Ich habe. Als ich noch aktiv Politikerin war, habe ich immer gesagt fünfzig Prozent der Leute sind gegen mich, fünfzig Prozent finden es gut, was ich mache. Also das muss man.
00:46:00: Speaker 1: Erst mal aushalten können.
00:46:02: Speaker 2: Und welche, Welche hört man, welche sieht man welche? Äußern sich die, gegen die die Meinung sind, die ein anderes, eine andere Meinung haben. Das ist natürlich etwas, das man aushalten muss. Und das ist nicht nur einfach und sich auch wirklich durchsetzen und sagen ich mache das jetzt. Wir haben schon viele Medienschaffende gesagt, wenn es um Anfragen geht, für Arena beispielsweise oder ohne Werbung zu machen. Aber das ist so ein Gefäss, wo es halt oft mehr Männer hat als Frauen. Dann sagen die die Produzenten und Produzentinnen haben mir öfters gesagt Ja, dann rufen wir eine Frau an! Sie sagt Wann ist es und was ist das Thema? Ich muss es mir überlegen. Ich muss mich organisieren. Wenn man einen Mann fragt Ja klar, ich komme, ist die Antwort, bevor er überhaupt weiß, worum es geht. Also plakativ gesprochen. Oder? Und das sind die Unterschiede. Und da muss man halt bei einer Frau wirklich sagen Komm, mach es. Du kannst das. Aber da läuft bei Frauen. Ich glaube, das ist ein anderes Funktionieren von uns Menschen, dass wir unterschiedlich funktionieren. Bei den einen läuft ein Film ab Oh, da müssen meine Kinder betreut sein, dann muss ich das und jenes und dann kann ich es inhaltlich. Und bei anderen Menschen läuft das nicht ab. Die sagen einfach Ich komme.
00:47:27: Speaker 1: Ich will noch einen Schritt weitergehen. Also der heutige Feminismus sieht sich ja als intersektionale Bewegung, also das heißt als Bewegung all derjenigen Menschen, die in der Gesellschaft benachteiligt sind. Also wenn sie kein im Sinne idealer Mensch sind, im Sinne von weiß, reich, einheimisch, körperlich unversehrt und eben männlich. Die Frauen und Genderkonferenz hat sich ja deswegen auch umbenannt. Vor einigen Jahren also hieß früher Frauenkonferenz, heute heißt sie eben Frauen und Genderkonferenz. Um diesem Aspekt gerechter zu werden in der Zusammenarbeit mit nonlinearen Menschen, mit Transmenschen. Wo stehen wir eigentlich da in der Kirche?
00:48:08: Speaker 3: Wahrscheinlich ganz ähnlich wie gesellschaftspolitisch auch. Ich weiß einfach aus der feministischen Theologin, dass wir da immer wieder diskutieren darum und jetzt auch eine Arbeitsgruppe eingesetzt ist, die sich da Gedanken macht darüber eben, wie ist das mit nonbinären Menschen, Transmenschen? Weil im Moment in den Statuten tatsächlich Frauen steht. Und das ist immer wieder ein ein Ringen und ein Lernen. Und ich denke, wir sind davon überzeugt, dass eben feministische Theologie oder Feminismus intersektional sein muss. Ich würde behaupten, aus der Geschichte der feministischen Theologie jetzt gesehen war sie das auch schon immer ein Stück weit, weil irgendwie zuerst eben weiße, privilegierte Frauen, feministische Theologie dieses befreiende Kraft für sich entdeckt haben, dann aber schnell jüdische Theologinnen kamen oder schwarze Frauen in den USA mit der humanistischen Theologie, die da auch selbst ermächtigt gesagt haben und und man da auch voneinander gelernt hat, so eben Check deine Privilegien. Und weil feministische Theologie vielleicht auch immer kontextuelle Theologie ist und und sich überlegt woher komme ich, wer bin ich?
00:49:24: Speaker 1: Ich glaube, dazu passt ein Zitat ganz gut. Was ich gefunden habe von Professorin Claudia Jansen aus Wuppertal. Und die sagt Religion ohne Feminismus ist ein Widerspruch. Sofern man Feminismus als Gerechtigkeitsbewegung versteht. Was denkt ihr zu diesem Gedanken?
00:49:43: Speaker 3: Ja, dem kann ich sehr zustimmen. Natürlich, genau diesen Gerechtigkeitsgedanken ist ist für mich wichtig. Und wenn man davon ausgeht, dann muss man feministisch denken. Aber muss man wahrscheinlich auch quer denken? Muss man antirassistisch antikolonial denken? Hat das ganze intersektionale Spektrum.
00:50:04: Speaker 2: So die Aussage von Claudia Jansen. Ist eigentlich gut zusammengefasst, weshalb ich mich bei den Protestanten und bei der Frauen und Genderkonferenz engagiere. Es geht um Gerechtigkeit, um diese Geschlechtergerechtigkeit. Und tatsächlich Intersektionalität bedeutet ja oft auch, mehrfachdiskriminiert zu sein. Das ist ein großes Problem. Ich vertrete ein Weltbild, einen Feminismus, der auf den universellen Menschenrechten beruht. Und deshalb kann ich das gut unterschreiben. Von Claudia Jansen.
00:50:37: Speaker 1: Letzte Frage Wo seht ihr ein Thema, wo wir in der Gesellschaft feministisch gesehen noch feststecken? Was müssen wir unbedingt noch anpacken?
00:50:47: Speaker 2: Hm. Also darüber haben wir zum Teil ja schon auch etwas gesprochen. Also die sozialen Rollen oder beispielsweise die Mutter Carearbeit, die nach wie vor als Gratisarbeit geleistet wird oder sehr günstig sein soll, wenig kosten darf. Das heißt das dann ja auch sehr oft migrantische Personen diese schlecht bezahlte Carearbeit übernehmen. Genau. Aber es ist ja die Carearbeit, die unsere Gesellschaft auch zum Funktionieren bringt oder als Ganzes. Und das ist, das ist einfach noch nicht gelöst heute. Ich glaube wirklich, wenn wir diese Kärrnerarbeit wie auch entschädigen würden, dann würde sich viel verändern, verändern. Das ist so noch ein Hebel, wo ich glaube, wo wir viel erreichen könnten und wo wir noch nicht weit sind.
00:51:43: Speaker 3: Ist mir gerade eingefallen. Es gibt ja diesen Verein, Wirtschaft ist Care und die haben vor Jahren mal so eine Postkartenaktion gehabt und da war ein Spruch auf einer Postkarte war Wenn Mutti arbeiten geht, dann schaut nicht Vati, sondern irgendwie Maria aus Rumänien. Und das ist genau das, was du ansprichst. Ich ich bin da immer so auch etwas zwiegespalten. Ich denke, so im Care Arbeit entschädigen ist so in den Strukturen, denke ich. Das erste und das andere ist müsste man nicht alles jetzt mit dem Verein Wirtschaft ist ja auch das ganze Wirtschaftssystem anders anders denken und diese Carearbeit höher werten. Also ich denke damit mit Corona. Was ist systemrelevant? Haben wir da viel gelernt oder gesehen, aber eigentlich doch nicht viel daraus gelernt, oder?
00:52:35: Speaker 2: Das Gender Budgeting beispielsweise, oder das war vor zwanzig Jahren ein grosses Thema, poppt teilweise wieder auf, aber verschwindet dann wieder und das wäre schon auch sehr interessant. Ja.
00:52:48: Speaker 1: Also es gibt noch große Aufgaben, wie ich sehe. Ich wünsche euch beiden wirklich viel Freude und viel Erfolg im Ausschuss der FGK. Vielen, vielen Dank fürs Dabeisein.
00:52:59: Speaker 2: Vielen Dank!
00:53:00: Speaker 3: Vielen Dank auch.
00:53:02: Speaker 1: Das heutige Abschlusszitat stammt von Jeanette Behringer aus der Zeitschrift FAMA im Jahr zwei tausend ein und zwanzig. Sie schrieb über Feminismus und Politik. Die patriarchalen Dimensionen, politische Reflexe und Institutionen heute sind nicht erledigt. Die größte Gefahr ist dem alles ist erreicht, auf den Leim zu gehen. Institutionen und Prozesse sind für Frauen in Demokratien nach wie vor ein Teig, den es sich zu kneten lohnt. Ja, liebe Community, merci fürs Dabeisein und Mitdenken. Ihr hört diesen Podcast nicht nur auf unserer Webseite exers.ch, sondern auch auf Apple Podcasts und allen anderen gängigen Plattformen wie zum Beispiel Spotify. Abonniert uns doch da und verpasst keine neuen Folgen und lasst uns eine positive Bewertung da. Das hilft bei der Sichtbarkeit. Danke! Auf Instagram und Facebook findet ihr die neusten Posts ax. In der nächsten Episode widmen wir uns der Erfahrung von Seelsorgenden in Asylzentren. Bis dahin bleibt reflektiert bei.
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