Heilsam für die Seele

Shownotes

Am Krankenbett da sein, zuhören, Trost zusprechen, Leid mitaushalten: Seelsorgende in Spitälern und Heimen leisten eine unverzichtbare Arbeit. Und diese sollte mehr gesehen und politsch vertreten werden. Deshalb gibt es seit 2025 das ökumenische Kompetenzzentrum Seelsorge im Gesundheitswesen. Im Podcast berichtet dessen Leiterin Claudia Kohli über ihre Arbeit, derzeitige heisse Themen im Gesundheitswesen und ihre persönliche Erfahrung als Seelsorgerin. Sie findet: "Seelsorge ist die Muttersprache der Kirche."

PS: Dieses Mal hört ihr Reflex nicht in der gewohnten Tonqualität. Uns ist bei der Aufnahme ein Fehler unterlaufen. Wir bitten um Entschuldigung.

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00:00:00: Speaker 1: Reflex Dein Podcast zur Kirche und Gesellschaft. Themen, die dich bewegen. Wir diskutieren sie. Ein Podcast der Evangelisch reformierten Kirche Schweiz.

00:00:12: Speaker 2: Zusammen gehört Reflex euren Podcast der Reformierten. Heute grüßen wir alle Werke, die auch Sex gehören. Kennt ihr das, wenn Leute im Smalltalk so sagen Ja, die Hauptsache ist doch die Gesundheit. Da regt sich bei mir immer so ein leichter Abwehrreflex. Nein, Gesundheit ist nicht das Wichtigste im Leben. Sicher, sie ist ein Faktor, der das Leben sehr lebenswert macht. Aber eben nicht der einzige. Gesund zu sein gilt als Segen Gottes und wir sind aufgefordert, für Kranke zu beten und sie zu besuchen. Oft machen das Menschen, um die es heute gehen soll, nämlich Seelsorgerinnen und Seelsorger in Spitälern, Kliniken, Heimen oder anderen Institutionen. Auf diesem Feld kennt sich meine heutige Kerstin ziemlich gut aus. Seit September ist sie bei uns im Dachstock im Büro eingezogen. Und sie arbeitet nun als Leiterin des Kompetenzzentrums für Seelsorge im Gesundheitswesen, kurz Kasig. Sie führt, vernetzt und schiebt neue Projekte an und dafür bringt sie ein ziemlich prall gefüllten Erfahrungsrucksack mit. Sie ist Theologin, Pfarrerin, Dozentin und sie war auch Seelsorgerin Claudia Koln. Herzlich willkommen im Podcast. Hallo, wie schön! Ja, vielleicht kannst du am Anfang mal ganz kurz erläutern was macht eigentlich die Kasek und wer hat diese Abkürzung erfunden? Weil vorher hieß die Stelle selig Und das fand ich ein bisschen einprägsamer, muss ich zugeben.

00:01:36: Speaker 3: Ja, das war in der Tat ein toller Name. Aber wir suchten einen Namen, der sich in die drei oder in drei Landessprachen übersetzen lässt und das dabei Kompetenzzentrum gut gegeben. Und zum anderen Kompetenzzentrum Seelsorge im Gesundheitswesen ist ein Name, den eine Verantwortungsträgerinnen im Gesundheitswesen oder Gesundheitspolitiker besser versteht als selig. Das war mit ein Grund für diesen Namenswechsel?

00:02:01: Speaker 2: Und was macht jetzt die Kasse?

00:02:04: Speaker 3: Die Kasse. Wir bündeln zum einen Kräfte und Wissen über Kantons und Konfessionsgrenzen hinweg. Wir fördern als Plattform die Vernetzung zwischen Seelsorge und Gesundheitswesen. Und wir bringen seelsorgerliche spirituelle Perspektiven in gesundheitspolitische Prozesse ein.

00:02:22: Speaker 2: Also ihr seid so eine Art Überbau.

00:02:25: Speaker 3: Ja, wir sind eine nationale Plattform, in dem Sinne keine Übersteuerungsmaschine. Aber genau ein Dach oder eine Plattform für diese Aufgaben, die ich genannt habe.

00:02:38: Speaker 2: Ich habe noch eine Bezeichnung gefunden für dich. Du hast von dir mal selber gesagt, du seist Lobbyistin für Seelsorge. Warum brauchen die Kirchen denn das eigentlich?

00:02:48: Speaker 3: Ja, in der ganzen Schweiz wird hoch professionelle seelsorgerliche Arbeit geleistet, in Spitälern, Langzeiteinrichtungen usw. Und das ist aber gleichzeitig auch sehr oft sehr diskrete Arbeit und wir stellen immer wieder fest, dass Verantwortungsträgerinnen im Gesundheitswesen oder in der Gesundheitspolitik kaum eine Ahnung haben, was wir machen. Als Seelsorgende. Wir hatten am Montag eine nationale Konferenz, unsere erste Konferenz für die Seelsorge im Gesundheitswesen, und da war eine Nationalrätin, Ursula Zybach. Und sie hat gesagt Ihr macht so viel Gutes. Sprecht darüber, macht es sichtbar. Und das ist sicher etwas, was wir machen wollen und müssen. Gut darüber sprechen, Auskunft geben, sichtbar machen, was geleistet wird, das ist das eine. Und das andere Als Kirchen ist unsere Muttersprache die Seelsorge. Wir haben eine anwaltschaftliche Aufgabe und die wollen wir einbringen in gesundheitspolitische Diskurse in der Schweiz.

00:03:53: Speaker 2: Ja, bevor wir weitersprechen, habe ich noch ein paar Facts zusammengetragen.

00:03:57: Speaker 1: Reflektor.

00:03:59: Speaker 2: zwei tausend vier und zwanzig haben meine Kolleginnen und Kollegen vom Bereich Kirchen Beziehungen unsere Mitgliedskirchen befragt, wie viele reformierte Seelsorgende in Spitälern und Kliniken es eigentlich so gibt. Und das waren in etwa zwei hundert zwei und vierzig. Das unterschied sich ein bisschen, weil es gibt viele Teilzeitkräfte, auch die Seelsorge in den Kantonen ökumenisch oder sogar interreligiös organisiert. Seit zwei tausend zwei und zwanzig gibt es auch den Berufsverband für Seelsorge und spezialisierte Spiritual Care im Gesundheitswesen. An dem Ökumenischen Kompetenzzentrum Seelsorge im Gesundheitswesen wurde in etwa seit zwei tausend ein und zwanzig gearbeitet. Letztes Jahr ging es dann richtig los. Ja, Claudia, die ersten berühmten ein hundert Tage der neuen Jobs sind fast um. Sie sind wahrscheinlich ziemlich schnell verflogen. Stapelt sich denn die Arbeit auf deinem Schreibtisch?

00:04:55: Speaker 3: Ich kann mich nicht beklagen. Aber schön. Wir nehmen diese Konferenz am Montag und da sind so viele Kompetenzen aus der ganzen Schweiz sichtbar geworden. Und da gibt es natürlich jetzt Arbeit, das zu verarbeiten, was wir von der Konferenz an Aufgaben mitgenommen haben. Themen, die wir haben, vom Bergell bis nach Sion, wo Menschen ihre Projekte oder Projekte vorgestellt haben, mit konkreten Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind. Und das möchten wir, müssen wir weiterverarbeiten. Jetzt.

00:05:27: Speaker 2: Wie darf ich mir denn deine Arbeit im Moment vorstellen?

00:05:30: Speaker 3: In den ersten Wochen war wichtig, dass ich mich vernetze innerhalb der Seelsorgelandschaft. Ich habe verschiedene Teams besucht, beispielsweise in Lausanne am Schiff. Ich habe Teams in Zürich besucht, und da ging es jetzt vor allem darum, mal die Akteure und Akteurinnen im Gesundheitswesen kennenzulernen, mich selbst zu vernetzen. Ich war auch schon beim Bundesamt für Gesundheit und das wird jetzt zukünftig verstärkt die Arbeit Zu sein, mich mit Verantwortungsträgerinnen und Politikern zu vernetzen, die zu treffen und unsere Perspektiven einzubringen.

00:06:05: Speaker 2: Was ist denn so ein Thema, was du mit den Politikerinnen und Politikern ansprichst?

00:06:11: Speaker 3: Es gibt Themen in der Gesundheitspolitik, die im Moment heiß diskutiert werden, zum Beispiel die integrierte Versorgung. Da ist die Seelsorge, viel Arbeit in diesen Übergängen von stationär zu ambulant. Und es gibt das Thema demografischer Wandel, das heißt, diskutiert wird die die ganze Alterung der Gesellschaft. Auch dann bringt die Seelsorge viel Kompetenz mit im Bereich der Begleitung der Angehörigen usw. Und es geht darum, diese Aspekte sichtbar zu machen, zu zeigen, Da ist die Seelsorge, die hier wichtige Arbeit übernimmt. Auch da wird es darum gehen, sichtbar zu machen und dann aber auch unsere Perspektiven einzubringen. Immer für den Menschen, dass wir uns einsetzen in Diskurse und gewissermaßen die Anwaltschaft für den Menschen im Zentrum sehr aktiv übernehmen.

00:07:08: Speaker 2: Du selbst hast ja auch große Erfahrung im Bereich Spiritual Care und du unterrichtest das auch. Wie kam es denn eigentlich für dich persönlich zu dem Interesse an Seelsorge?

00:07:18: Speaker 3: Wir haben seit je die Verschiebungen in der religiösen Landschaft interessiert. Mich interessiert sehr, dass sich die Landschaft so verändert, dass eigentlich organisierte Religion, sprich Kirchen, an Relevanz verlieren und gleichzeitig Menschen das, was ihnen essenziell wichtig ist, heute vielleicht anders ausdrücken als mit Worten wie Glaube oder Frömmigkeit usw. Mich interessiert was, was bewegt diese Menschen? Wie sprechen sie? Das ist so das eine Interesse seit je. Das andere ist zu fragen Wie können wir als Christenmenschen das, was uns prägt und stärkt, so sprachfähig? und wie können wir sprachfähig sein? Und in der Kita bekommt das natürlich ein Stück weit zusammen, weil das ist Kirche in einem säkularen Setting. Ich lasse mich als Seelsorgerin ganz tief auf das Gegenüber ein. Ich bin Gast beim Gegenüber und gleichzeitig bin ich mit offenem Ohr und Herz und mit meinem Gesprächsangebot Gastgeberin oder biete Gastfreundschaft an und so diese Schnittstelle. Das interessiert mich sehr. Mich tief einzulassen auf das, was Menschen bewegt, wie sie sprechen und das, woraus ich schöpfe, so einzubringen, dass es tragfähig ist für mein Gegenüber. Also eigentlich immer schon das große Interesse auch für eine Kirche. Die Kirche für andere ist für eine Kirche, die selbstbewusst dient.

00:08:48: Speaker 2: Was hast du konkret mit Menschen am Krankenbett erlebt? Also kannst du dich da so an einen Schlüsselmoment erinnern, wo du gemerkt hast, das hat mich jetzt total.

00:08:57: Speaker 3: Geprägt und.

00:08:57: Speaker 2: Das hat mich sehr ergriffen.

00:08:59: Speaker 3: Als Seelsorger erleben wir viele solche ganz dichten Moment. Ich glaube, wenn ich an das letzte Jahr denke, dann war es zum einen die Begleitung einer Frau in der Lebensmitte, die eine Krebsdiagnose erhalten hat, und die Welt steht Kopf für sie. Vieles gerät aus den Fugen und dann findet sie in all diesem schweren ein Stück Glück wieder. So ein Moment von Glück. Und da durfte ich das durfte ich als Seelsorgerin miterleben. Dann diese, diese Ressource, die da war in diesem ganz Schwierigen, Das habe ich viel erlebt. Das ist natürlich dann auch ein großes Geschenk, als Seelsorgerin da dabei sein zu dürfen. Für mich die eindrücklichste Geschichte vom letzten Jahr. Die habe ich nicht selbst erlebt, aber die hat mir ein Freund erzählt, ein dreißig jähriger Mann, der selber aus der Kirche ausgetreten ist. Und er hat über seinen Freund erzählt, der einen schweren Unfall hatte. Die Ärztin. Die waren bei diesem jungen Mann und hat ihm klargemacht, er könne wirklich sehr dankbar sein, dass er diesen Unfall überlebt habe. Und er war sehr dankbar und gleichzeitig haderte er so fest damit. Und dann war es offenbar, so hat es mir dieser Freund erzählt, das Gespräch mit dem Seelsorger, das für ihn so wichtig war, weil da der Raum war, auch diese Sinnlosigkeit zu benennen, die Sinnlosigkeit dieses Unfalls und diese Geschichte, die hat mich irgendwie sehr berührt.

00:10:28: Speaker 2: Geht es dir dann in solchen Gesprächen, in dem Moment darum, Antworten zu finden? Oder bist du einfach auch manchmal nur so da und man hält das mit aus?

00:10:38: Speaker 3: Ja, ich glaube, wir haben ganz oft keine Antworten oder Antworten wären auch verfehlt. Wir sind oft da, halten Sinnlosigkeit mit aus und helfen bei Menschen, Ressourcen zu mobilisieren, die sie selbst haben.

00:10:56: Speaker 2: Und.

00:10:57: Speaker 3: Die wir haben, da Menschen zu ermutigen, zu stärken, zu trösten.

00:11:02: Speaker 2: Und viele Seelsorgende erzählen ja auch immer das, was die Patientinnen und Patienten so im ersten Moment, wenn sie durch die Tür gekommen, im Krankenhaus den Kontakt ablehnen, wenn man sich als Seelsorger vorstellt. Oder sie sind auch erst mal skeptisch und die sagen dann Ja, ich bin überhaupt nicht religiös oder Ich bin nicht in der Kirche. Kennst du solche Situationen? Was wird dann daraus?

00:11:27: Speaker 3: Ja, das kenne ich sehr wohl. Und ich glaube, das kennen wir alle als Seelsorgende. Ich habe letzte Woche ein Interview geführt mit Emmanuel Graaff. Er war stark involviert bei der Betreuung von Brandopfern oder ist stark involviert am Universitätsspital Zürich. Und er hat diesen Punkt auch wieder aufgebracht, dass so oft diese Schwellende heißt und die Schwelle aber sehr schnell irgendwie fällt oder niedrig wird, sobald man eine Beziehung aufbauen kann, sobald man mit Menschen sprechen kann, dann fällt das ab.

00:11:59: Speaker 2: Sprichst du denn in solchen Gesprächen dann oft von Gott? Oder wenn jemand jetzt sagt Ich bin gar nicht religiös, was eigentlich dann auch zur Nebensache wird.

00:12:09: Speaker 3: Sehr oft brauche ich das Wort nicht. Wenn ich merke, das ist ein Fremdwort oder ein Wort, das sehr belastet ist. Aber sie hat überhaupt nicht zur Nebensache. Für mich ist das ich gehe hier als Seelsorgerin ins Feld und selbst glaube ich sehr stark an die Gegenwart Gottes, dass ich das eigentlich das für mich überhaupt nicht Nebensache ist, ganz zentral. Aber in ganz vielen Gesprächen ist das nicht explizit Thema.

00:12:37: Speaker 2: Und die Leute dann immer mit der konkreten Frage zu dir oder? Spricht man manchmal auch so über die Woche und was hast du für Behandlungen gehabt und und kommt dann so eigentlich mehr zum Kern der Sache?

00:12:50: Speaker 3: Sehr oft. Es beginnt sehr oft irgendwo im Gespräch, das, was wir als Seelsorgende. Wofür wir einen Blick haben, ist für das, was Menschen essenziell wichtig ist, was sie umtreibt, was sie bewegt. Das kann sein, dass eine Patientin davon erzählt, dass sie so damit hadere, dass sie ihren Garten nicht mehr bewirtschaften kann. Jetzt kann man das als Ausdruck einer ganz praktischen Sache sehen. Aber da wird eben viel sichtbar, was ihr, was ihr wichtig war, was sie vielleicht jetzt aufgeben muss und was dieser Übergang bedeutet. Also wir hören auch stark auf diesem Ohr Was ist es denn, was Menschen trägt, was für sie wichtig ist und wie können wir sie unterstützen im Loslassen usw.

00:13:38: Speaker 2: Wenn ja Religion letztendlich gar nicht so wichtig ist. Den Patienten selber Können die Kirchen auf dem Feld der Seelsorge im Gesundheitswesen denn da überhaupt Profil gewinnen oder ist das gar nicht so das Ziel?

00:13:50: Speaker 3: Es geht nicht darum, dass die Kirchen Profil gewinnen, sondern sie sind in der Seelsorge präsent für Menschen. Es ist stark eine diakonische Aufgabe, ein Dienst am Menschen, zu dem wir aus dem Evangelium gerufen sind. Also es geht nicht darum, dass die Kirchen da ihr Profil schärfen können, sondern dass sie wirklich ihre Kernaufgabe leben in diesem diakonischen Dienst.

00:14:15: Speaker 2: Genau, weil du hast ja eben davon gesprochen, dass du als Kompetenzzentrum natürlich schon die Seelsorge sichtbarer machen willst. Und das ist sicher auch der Auftrag, den die Kirchen die so mitgeben.

00:14:26: Speaker 3: Unbedingt ja.

00:14:27: Speaker 2: Aber gleichzeitig eben die Menschen, die Seelsorge erfahren. Ist ja im Moment gar nicht so wichtig. Sitzt da ein reformierter Pfarrer vor mir? Sitzt da eine katholische Seelsorgerin in Holland? Ja, zum Beispiel auch Seelsorgende, die gar keiner Religion angehören.

00:14:44: Speaker 3: Ja, genau das wird, das wird deutlich breiter. Auch mit den ganzen Verschiebungen im religiösen Feld gibt es auch. Unterdessen wird die Landschaft vielfältiger von denen, die die begleiten. In Zürich haben wir dieses Projekt. Muslimische Seelsorger gibt es, in Bern haben wir einen Verein multireligiöser Begleitung. Das wird vielfältiger, und da ist auch die Zusammenarbeit wichtig, dass wir gut miteinander zusammenarbeiten, auch vor Ort.

00:15:12: Speaker 2: Sabine Steiner, das ist die stellvertretende Generalsekretärin der Ökumenischen Zentralkonferenz. Die hat kürzlich gesagt Interreligiöse Zusammenarbeit ist in der Seelsorge nicht nur eine pastorale Möglichkeit, sondern eine strategische Notwendigkeit. Was hat sie damit gemeint? In deinen Augen?

00:15:30: Speaker 3: Meine Nase weist darauf hin, dass es wichtig ist, dass das Innenfeld, die Seelsorgerinnen gut zusammenarbeiten. Das ist ganz wichtig für die Glaubwürdigkeit auch gegenüber den Pflegeteams, dem medizinischen Personal. Dass die Seelsorgerinnen miteinander ökumenisch, multireligiös, gut, sich gut absprechen, gut zusammen Auftreten, das wir uns verständigen über Qualitätskriterien usw. Wenn ich das.

00:15:58: Speaker 2: Richtig erfasst habe, verstehen sich ja viele Seelsorger als Teil der Behandlungskette rund um eine Person, die die zum Beispiel im Spital ist. Und sie tragen ja auch etwas bei zur Genesung oder zur palliativen Versorgung. Aber sie haben auch in jedem Spital unterschiedliche Standing, oder?

00:16:19: Speaker 3: Ja, das ist auf jeden Fall so, jetzt in der palliativen Versorgung. Da gehört die Seelsorge sehr eng in das Behandlungsteam. Seelsorge ist Teil der anerkannten Palliativ Care Qualität. In anderen Versorgungsbereichen ist das vielleicht auch zufällig und da spielt sehr oft eine wichtige Rolle, ob eine Seelsorgerin, ein Seelsorger bekannt ist im Team. Also die Präsenz ist da wichtig, dass man weiss, da ist der Seelsorger und dass man weiss, ich wende mich an ihn und sage ihm Geh doch mal zu Patientin XY usw.

00:16:58: Speaker 2: Du selbst gibt es ja noch einen Vers, der sich an Ärzte richtet. Mit welchen Anliegen kommen die in diese Weiterbildung?

00:17:06: Speaker 3: Ich unterrichte in Criss spezialisierte Palliativ Care, der Rest für Ärzte, Ärztinnen und Pflegende. Und ich habe da die Aufgabe, die Module zu Spiritualität Spiritual Care zu unterrichten. Im Wesentlichen geht es darum, aufzuzeigen, wie die spirituelle Dimension eine eine der Dimensionen ist nach WHO Definition, die beachtet werden will in einer ganzheitlichen Versorgung der Patientinnen und Patienten.

00:17:37: Speaker 2: Wir müssen vielleicht kurz die Begriffe klären. Also es wird immer so im deutschsprachigen Raum für Care benutzt und Seelsorge gibt es dann auch noch. Ist das eigentlich deckungsgleich oder wie ist das?

00:17:49: Speaker 3: Ja, da befinden wir uns mitten in den Diskussionen sowohl in deutschsprachigen als auch im Französisch haben wir die Diskussionen auch das hat sich noch keine Terminologie ganz durchgesetzt. Grob kann man sagen Seelsorge ist die spezialisierte Spiritual Care und Spiritual Care. Das ist breiter. Nochmals verstanden. Das ist auch etwas, was ein Arzt macht oder eine Pflegefachperson. Dann spricht man eher von gesundheitsberuflicher Spiritual Care.

00:18:23: Speaker 2: Und was du ja neben deiner Leitungsposition beim Kompetenzzentrum auch noch machst, ist die Ecole des Willens. Was hat es denn damit auf sich?

00:18:32: Speaker 3: Ecole de Silence ist ein Projekt, das ich zusammen mit einer Psychiaterin und einem Psychologen mache. Seit ein paar Jahren, wo wir zeitgenössische Bildung oder Bildung für zeitgenössische Spiritualität Formate da kreieren. Und wir haben jetzt ein Format Dass wir zusammen mit dem Palliativzentrum des InselSpitals und Palliativ Bern machen, wo es darum geht, Menschen, die in der Pflege tätig sind oder Ärztinnen, Frauen, Menschen, die in belastenden Situationen begleiten, wie in der Onkologie oder Palliativ oder Intensivmedizin, diese heraus zu unterstützen mit Programmen. Hilfe zur Selbsthilfe letztendlich.

00:19:19: Speaker 2: Und die kommen dann zu euch und genießen die Stille, oder? Wir haben tatsächlich meditative Elemente drin.

00:19:26: Speaker 3: Wir sind das am Aufgleisen im Moment. Wir haben so Piloten gemacht, auch mit Masterstudierenden an der an der medizinischen Fakultät, wo wir zum Beispiel die ganze das Ganze, wo es um das Selbstmitgefühl geht beispielsweise und da gehört dazu gehören Elemente, die wir in unseren Kursen sonst auch brauchen, wie Stille oder Atemübungen usw gehören dazu, neben reflektiven Elementen und Diskussionen usw.

00:19:55: Speaker 2: Da bin ich auch immer wieder überrascht, dass in der Ausbildung von Pflegenden oder zum Arztberuf diese ganze Dimension kommt immer gar nicht vor. Das Spirituelle, diese Self Care. Es geht eigentlich immer nur um die medizinischen Aspekte. Und wie behandle ich den Patienten? Also sehr technisch zum Beispiel.

00:20:15: Speaker 3: Ja, wobei genau das ist sicher ganz stark im Vordergrund. Aber jetzt gerade an der Uni Bern, also an der medizinischen Fakultät, gibt es starke Bemühungen, diese Kommunikation zu stärken. Und das finde ich sehr spannende Projekte. Ein Comlab Projekt, wo ich als Theologin auch mitbeteiligt bin.

00:20:34: Speaker 2: Wir haben es ja eben schon kurz angesprochen Seelsorge ist je nach Kanton auch unterschiedlich organisiert. Manche Kirchen finanzieren die Spital und Heimseelsorge komplett selbst, andere bekommen Unterstützungsbeiträge. Dann gibt es wieder Kantone, in denen die Institutionen zum Teil oder ganz den Lohn für die Seelsorgenden tragen. Also es gibt viele Modelle und Organisationsformen. Wenn man jetzt sagt, das Ganze ist kantonal gesteuert, warum gibt es denn dann so eine nationale Stelle wie eine Kasse überhaupt?

00:21:07: Speaker 3: Weil es an verschiedenen Orten Herausforderungen gibt, die man an anderen Orten auch wieder findet. Also das haben wir jetzt auch in diesen Spotlight am Montag gesehen. Es gibt Themen, die sind in Lausanne wichtig und an einem anderen Ort auch. Und es braucht diesen Austausch miteinander, damit wir die Themen wie beispielsweise Finanzierungsfragen, die wirklich teilweise drücken, oder Personalfragen, also die Fachkräftemangel auch in der Seelsorge, damit wir da gemeinsam Lösungen suchen und finden können. Also es geht darum, dass wir über die Kantons und Konfessionsgrenzen hinweg voneinander wissen und gemeinsam Argumentarien erstellen, die Themen voneinander lernen. Ich glaube wirklich, am Montag wird ein sehr toller Auftakt dazu.

00:21:59: Speaker 2: Erinnerst du dich gerade an einen Lösungsansatz, der dich besonders beeindruckt hat?

00:22:04: Speaker 3: Wir haben am Montag zum Beispiel über Modelle gesprochen, wie Seelsorge verankert ist. Und da haben wir gesehen Modelle, wo Kirchen gemeinsam mit dem Kanton und mit dem Gesundheitswesen die Seelsorge verantworten. Das könnten nachhaltige Modelle sein. Wir sehen das beispielsweise in Solothurn oder Basel. Stadt hat jetzt eine Stiftung gegründet, wo die Seelsorge so verankert ist. Das wäre ein Beispiel, wo man genauer hinschauen muss und voneinander lernen kann.

00:22:36: Speaker 2: Der ehemalige Präsident des Berufsverbandes der Seelsorgenden im Gesundheitswesen hat zwei tausend vier und zwanzig zum Beispiel gesagt zu diesem ganzen Finanzierungsdruck eine immer kleiner werdende christlichen Minderheit wird diesen Beitrag zur Patientenbetreuung auf Dauer nicht alleine stemmen können. Zumindest nicht in dem Umfang und der Qualität, wie es heute zum Beispiel in Zürich, Sankt Gallen oder Lausanne der Fall ist. Siehst du das ähnlich?

00:23:05: Speaker 3: Genau deshalb muss man diese Finanzierungsfragen gut diskutieren. Jetzt im Schiff, beispielsweise in Lausanne, gibt es eine Kofinanzierung von verschiedenen Partnerinnen. Das ist sicher zukunftsweisend. Und diese Fragen drängen schon, vor allem auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Bedarf an Seelsorge nicht weniger wird. Ich denke, je professioneller die Seelsorge ist, je besser integriert in Teams, desto mehr ist Bedarf. Aber dann stellt sich natürlich die Frage Wenn die Qualität steigt oder die Professionalisierung steigt, wie kann das finanziert werden? Wer finanziert das? Das sind schon drängende Fragen, die wir auch am Montag heiss diskutiert wurden.

00:23:48: Speaker 2: Von der anderen Seite hängen ja dahinter zum Teil auch die Kirchgemeinden. Wenn der Seelsorger gleichzeitig zum Beispiel auch der Pfarrer ist. Man muss den Dingen für diese Zeit, die er im Spital verbringt, ja dann freistellen und in der Zeit kann er eben nicht der Gemeindepfarrer sein. Ich denke, da sind auch einige Kirchgemeinden unter Druck und sagen ja, wir haben den eh nur siebzig Prozent und was machen wir jetzt genau?

00:24:13: Speaker 3: Wobei wir in vielen, an vielen Orten natürlich Spezial seelsorgestellen haben, gerade in den Spitälern. Aber klar, beispielsweise in der Langzeitpflege gibt es, sind es sehr oft Fachpersonen, die in der Gemeinde arbeiten und diesen Dienst übernehmen. Das ist ja, das ist das eine Zum Thema.

00:24:32: Speaker 2: Du hast ja eben auch schon angesprochen, es gibt ein bisschen Nachwuchssorgen in diesem Feld. Ist das etwas, was du mit in deinen Pflichtenheft genommen hast? Nachwuchsförderung?

00:24:43: Speaker 3: Ja, da sind wir natürlich in einem großen Themenfeld, das die Kirchen insgesamt sehr beschäftigt und ich denke, in der Seelsorge stellt sich wirklich die Frage Wie können wir hohe professionelle Standards, die wir haben, verbinden mit realistischen Zugangswegen zu Aus und Weiterbildung? Und das gehört schon auch dazu, dass wir da in der Schweiz unsere Kräfte im mit Blick auf die Aus und Weiterbildung gut bündeln.

00:25:09: Speaker 2: Eine Studie hat letztes Jahr in Zürich herausgefunden, dass Befragte sich sehr wohl nach einem Unfall oder wegen einer psychischen Krankheit, die sich dort an einer Klinik aufhalten, dass die sich sehr wohl seelsorgerliche Begleitung wünschen. Die Zahl hat mich wirklich überrascht. Also über drei Viertel waren demnach für Seelsorge in Form von Gesprächen oder Ritualen zum Beispiel offen. Auch vor allen Dingen junge Menschen unter dreißig Jahren. Was sagst du zu dieser Studie?

00:25:40: Speaker 3: Die Studie belegt das Beispiel, das ich vorhin kurz erzählt habe. Ich denke, es ist also natürlich ein Resultat, das mich nicht überrascht. Und ich denke als Seelsorgende auch wenn wir reformierter Spitalpfarrer sind oder katholische Seelsorger sogar so agieren Wir begleiten sehr breit Menschen in Menschen, die auch keiner Konfession angehören. Deshalb überrascht mich diese Zahl nicht.

00:26:07: Speaker 2: Das Spital oder auch die Pflegeinstitutionen sind ja Orte, wo es um essentielle Dinge geht, also wirklich sprichwörtlich um Leben und Tod. Auch wenn die medizinische Versorgung top ist, fehlt ja ohne Seelsorge was. Oder auch für die Angehörigen.

00:26:24: Speaker 3: Ich denke, das werden viele so sagen für Patientinnen, Patienten, Angehörige und auch Mitarbeitende. Also genau das war auch im Interview mit Emmanuel Graaff, wo er so stark gezeigt hat, dass das jetzt seine Aufgabe war. Auch die die Teams, die so in einer solchen Ausnahmesituation, aber auch im laufenden Betrieb unglaubliche Arbeit leisten, die zu unterstützen. Also oft sind Seelsorgende auch wichtige Ansprechpersonen für die Teams, für die Mitarbeitenden.

00:26:57: Speaker 2: Und wenn man dann solche Extremsituationen erlebt, auch als Seelsorger, Seelsorgerin, wie machst du das auch persönlich, dass du dir diesen Kummer nicht mit nach Hause trägst?

00:27:09: Speaker 3: Ich glaube, dass wirklich die Selbstfürsorge ganz wichtig, das lernen wir auch in der Ausbildung und müssen das auch immer wieder selbst vertiefen. Und ich muss das selber meine Strategien suchen. Was tut mir gut nach einem Einsatz? Ich arbeite noch fürs Careteam und dort ist das besonders wichtig zu fragen Was, was brauche ich jetzt auch zu sehen? Es können Einsätze sein, die belasten. Und damit ich wieder frei bin für ein nächstes Gespräch, muss ich gut zu mir schauen und schauen, was was hilft.

00:27:45: Speaker 2: Also ab und zu mal die Sahnetorte oder der.

00:27:49: Speaker 3: Spaziergang die Stille.

00:27:53: Speaker 2: Zum Abschluss. Wie soll denn die Seelsorge im Gesundheitswesen in Zukunft aussehen? Was sollte sich verbessern.

00:28:00: Speaker 3: Was wir verbessern müssen, können, sollen? Ist, wie wir darüber sprechen, dass wir noch gezielter sichtbar machen, was bereits längst auf sehr hohem Niveau passiert? Ich war sehr beeindruckt, wie das im Inselspital läuft, als wir das am Montag in einem Spotlight gehört haben. Simon Bühler, die Leiterin, hat erzählt, wie Menschen im Inselspital begleitet werden von der Putzfrau bis zur Chefärztin, vom Bau aus dem Oberland bis zum Geflüchteten aus Afghanistan. Eine unglaubliche Breite an Personen wird da professionell begleitet. Zudem die Mitarbeitenden. Und noch weiter Sie sind auch im Care Kernteam des Spitals im Einsatz, also in einer großen Breite der Aufgaben multireligiös aufgestellt. Das ist alles da. Das müssen wir gut kommunizieren gegen aussen, damit es eben die Politikerinnen wahrnehmen, was hier an professioneller Arbeit längst geleistet wird.

00:29:05: Speaker 2: Eine deiner Aufgaben als Kompetenzzentrum wird ja auch sein, wenn es jetzt im Gesundheitswesen Emotionen und solche Dinge gibt, politische Vorstöße, dass du dort dich einbringst und auch Briefe schreibst, an Vernehmlassung teilnimmst. Das ist auch ein Ziel.

00:29:22: Speaker 3: Genau. Und da habe ich jetzt bis jetzt relativ wenig dazu gesagt, auch weil wir jetzt in den ersten Monaten uns wirklich konstituieren wollten, innerkirchlich. Also die erste Konferenz war auch stark mit diesem Fokus, dass wir uns konstituieren, dass wir uns gegenseitig wahrnehmen. Und jetzt geht es aber in einem nächsten Schritt ganz klar darum, nach aussen zu treten und zu schauen, Wie können wir uns einbringen?

00:29:47: Speaker 2: Vielen Dank für das Gespräch und für diesen kleinen Ausblick. Einblick in die Seelsorge. Man merkt, dass ihr das wirklich am Herzen liegt.

00:29:55: Speaker 3: Vielen Dank, Michael.

00:29:57: Speaker 2: Das heutige Abschlusszitat stammt von Rita Famos, und zwar Präsidentin der EKD. Sie war in der Kantonalkirche Zürich sehr lange Leiterin der Spitalseelsorge. Und so wundert es nicht, dass sie anlässlich einer Studientagung für Seelsorgende im Gesundheitswesen eigentlich ziemlich gute Worte für diese Tätigkeit gefunden hat. Lichtreflex Wir sind primär mit Fragende ein Akteur von vielen, denn es sind verschiedene Menschen und Dienste, die zusammenwirken, damit kranke Menschen wieder auf die Beine kommen. Pflegende Ärztinnen, Psychotherapeuten sind motiviert, für die Patientinnen und Patienten den besten Weg zur Genesung zu finden. Wir Seelsorgende bringen Umfassendes Verständnis von Gesund und Heil werden in die Prozesse. Denn es gibt auch Heil ohne Liebe Community. Herzlichen Dank fürs Dabeisein und fürs Mitdenken. Ihr hört perfekt das nächste Mal am zehnte Februar. Dann werden zwei echte Größen hier im Studio sein, nämlich die Direktorin des Hacks, Karolina Frischkopf, und der Theologieprofessor Jörg Kleider. Wir stellen uns die Frage Geld oder Gott? Gibt es eine christliche Wirtschaftsethik? Ihr hört diesen Podcast nicht nur auf der Webseite exers.ch, sondern auch auf Podcasts und allen anderen gängigen Plattformen. Abonniert uns doch da, verpasst keine neuen Folgen und lasst uns eine positive Bewertung da. Wer Sie. Auf Instagram und Facebook findet ihr die neuesten Tusks. Also bis bald. Bleibt reflektiert bei.

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