Was die Reformierten 2025 bewegte

Shownotes

Herausforderungen in der internationalen Ökumene, reformierte Missbrauchsstudie und Stellungnahmen zu Krieg und Frieden. Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, blickt auf ein prall gefülltes aber auch erfülltes Jahr 2025 zurück. Landauf, landab setzt sie sich für eine lebendige Kirchengemeinschaft ein und schätzt den Dialog mit Kirchenmitgliedern genauso wie mit "hohen Tieren". Bei Reflex erzählt sie, worüber sie mit dem Papst gesprochen hat, warum eine Begegnung mit der ukrainischen Botschafterin sie besonders berührte und das Refine Festival eines ihrer Jahreshighlights war. Aussserdem verrät sie, wie es eine katholische Santa Rita Figur auf ihrem Schreibtisch zu einem Ehrenplatz gebracht hat.

Transkript anzeigen

00:00:00: Speaker 1: Reflex Dein Podcast zur Kirche und Gesellschaft. Themen, die dich bewegen. Wir diskutieren sie. Ein Podcast der evangelisch reformierten Kirche Schweiz.

00:00:12: Speaker 2: Hallo zusammen! Ihr hört Reflex euren Podcast der Reformierten. Heute grüßen wir alle Schweizer Kirchen im Ausland. Ich hoffe, ihr habt euch alle in diesen Tagen gemütlich eingerichtet. Ist Brunzli, trinkt Punsch oder verdaut den Festtagsbraten. Nach Spotify rappt Year In Search. Von Google oder der Tagesschau kommen auch wir mit einem kleinen Jahresrückblick, aber vielmehr mit einem reformierten Augenmerk. Dazu habe ich mir eine Frau eingeladen, die eigentlich keiner Vorstellung bedarf. Sie ist Pfarrerin. Sie war Sprecherin des Wortes zum Sonntag, leitete die Spezialseelsorge bei der Zürcher Landeskirche. Sie wohnt in Uster, sie stammt aber eigentlich aus dem Berner Oberland, und seit zwei tausend ein und zwanzig ist sie Präsidentin der EKS. Rita Famos Herzlich willkommen.

00:01:00: Speaker 3: Hallo zusammen.

00:01:01: Speaker 2: Ja. Rita, hast du mal zusammengezählt eigentlich, wie viel Reisekilometer du zwei tausend fünf und zwanzig so ungefähr gemacht hast?

00:01:09: Speaker 3: Nein, das ist eine lustige Idee. Das habe ich wirklich nicht. Aber ich sage immer, Mein Generalabonnement der SBB ist, glaube ich, das best genutzte Generalabonnement. Ich fahre so viel in der Schweiz herum. Ja, und ich reise viel. Ich bin viel unterwegs und das ist extrem wichtig, weil Kirchen sind Beziehungsnetze sind, Beziehungen pflegen, miteinander den Glauben Leben austauschen. Und da muss man sich besuchen und sehen. Und deshalb reise ich viel.

00:01:43: Speaker 2: Und du bekommst ja auf deinen Reisen manchmal auch so Geschenke von Kommissionen und von anderen Kirchen. War da schon mal so was ganz Schräges dabei?

00:01:53: Speaker 3: Ich kriege eigentlich gar nicht so viele Geschenke, aber ein lustiges Geschenk habe ich von dem Präsidenten und dem Geschäftsführer des Gustav Adolf Werks erhalten. Nowaks, der Geschäftsführer, und Martin Dutchman, der Präsident. Wir waren zusammen auf Besuch in Portugal bei der Portugiesischen Evangelischen Kirche und wir hatten wirklich eine gute Zeit. Und dann sind die zwei Herren in diesem katholischen Land in einen, so in einen Laden, wo ganz viele kleine Heilige aufgestellt sind. Und dann haben sie mir eine Santa Rita gekauft. Und das finde ich so lustig. Diese Santa Rita steht seither auf meinem Pult zu Hause und ich habe mal gegoogelt und das, ja, die ist die Schutzpatronin. Der Metzger. Passt nicht wirklich zu mir, aber sie ist zuständig in aussichtslosen Anliegen. Und da dachte ich mir also genau meine Glaubensschwester, die Santa Rita. Wenn es ganz schwierig ist, dann schaue ich ihr mal in die Augen und sage Santa Rita, was wollen wir da tun? Ich finde das ein lustiges Geschenk.

00:03:09: Speaker 2: Das ist gut. Dann hoffen wir, dass nicht alles aussichtslos ist. Mit Anliegen, mit denen Leute zu dir kommen. Bevor wir weiterreden. Du hast dich erwehrt, eine Präsidentschaftsstatistik zu machen. Ich habe sie mal mit deiner Assistentin ein bisschen zusammengestellt.

00:03:28: Speaker 1: Reflector.

00:03:29: Speaker 2: Im Jahr zwei tausend fünf und zwanzig warst du an sechs und neunzig Anlässen, Treffen und sonstigen Terminen beteiligt. Darin sind nicht mitgerechnet die Sitzungen des Rates oder die Sitzungen des Rates der Religionen. Sind wir im Moment auch vorstellst. Von diesen sechs und neunzig Anlässen waren vierzehn im Ausland, meist in unseren Nachbarländern. In zwanzig Medienbeiträgen hast du Rede und Antwort gestanden. Außerdem hast du noch vier Texte für Fachbücher verfasst und hast neunzehn Referate und Grußworte gehalten.

00:04:03: Speaker 3: Oh, ich bin. Ich bin beeindruckt. Ja, wenn man das zusammenzählt, ist das ganz viel. Ja, Bin ich jetzt selber überrascht? Vor allem diese sechs und neunzig Anlässe. Aber das war schon viel. Es war anstrengend. Aber vieles gibt mir auch extrem Energie. Ich könnte nicht in meinem Büro sitzen und warten, bis jemand kommt. Also Kirche zu spüren, Kirche, Gemeinschaft zu spüren, Begegnungen, Menschen, die mit diesem Glauben unterwegs sind. Das gibt mir auch extrem viel Kraft zurück. Und deshalb freue ich mich, dass ich da so aktiv sein durfte.

00:04:38: Speaker 2: Genau. Du hast ja auch einige Menschen getroffen, die, die sehr bekannt sind. Also ich erinnere mich dieses Jahr, Du hast den Papst getroffen. Du hast den ehemaligen deutschen Innenminister Thomas de Maiziere getroffen, Die Nationalratspräsidentin Maria Rinecker und viele mehr. Über was redest du mit solchen Persönlichkeiten?

00:04:58: Speaker 3: Ja, das ist sehr unterschiedlich. Beim Papst, da waren wir ja etwa fünfzig Leute. Es war keine PrivatAudienz. Da haben wir ihm die Charta Oecumenica überreicht, die Europäische Bischofskonferenz und die Konferenz europäischer Kirchen. Da war ich ein Teil davon. Dem Papst durfte ich die Hand schütteln, und ich habe ihm dann Gottes Segen für sein Wirken gewünscht und ihm gesagt, er solle doch das Potenzial der Frauen nicht vergessen. Ja, und Lothar de Maiziere? Das ist sehr eindrücklich. Er ist ja Teil des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Also als ehemaliger Politiker jetzt in den Kirchen sehr aktiv und das ist sehr eindrücklich. Und wir haben ihn mit dem Rat besucht, um auch mal zu erfahren wie Wie funktioniert so ein Kirchentag und wäre das auch etwas für uns? Also ich versuche eigentlich jeweils vorzustellen, wer ich bin, was wir machen, welches Potenzial die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Person hätte für für die Kirchen und und gegenseitig. Und ich muss ganz oft auch erklären, was denn die Reformierten sind, weil eigentlich tickt die Welt katholisch. Wenn die Kirchen funktionieren, dann denken die an an Kirchenleitende, die eine Machtstellung haben, top down organisiert sind und wir sind einfach so anders organisiert. In der Schweiz ist das noch verständlich, weil wir Reformierten so organisiert sind wie die Schweiz. Aber, aber im Ausland zu erklären, wie wir organisiert sind, sehr basisdemokratisch, sehr partizipativ, das ist auch immer eine große Freude und und macht auch immer Aha Erlebnisse bei. Bei diesen internationalen Partnern. Also sehr, sehr unterschiedlich, je nachdem, wer gerade da ist. Aber viel geht es wirklich darum, Beziehungen aufzubauen. Das damit, wenn man dann ein Anliegen hat, gegenseitig man sich kennt oder wenn es brennt, in Krisen Köpfe kennen, man hat kurze Wege. Das ist eigentlich auch wichtig. Oder dass die wissen Oh, die habe ich schon mal gesehen, die könnte ich fragen. Gegenseitig.

00:07:18: Speaker 2: Und gibt es noch etwas zu Frau Riniker?

00:07:21: Speaker 3: Ja, Maja Riniker. Ich bin jetzt fünf Jahre im Amt und ich habe immer mit dem Nationalratspräsidenten oder der Nationalratspräsidentin mich verabredet. Einfach, damit wir uns kennen. Und Maja Riniker, Das war ein sehr interessantes Gespräch. Sie ist reformiert und wir haben uns wirklich ausgetauscht. Wo sind Schnittstellen zwischen Politik und und Kirche? Wir sind beide aktiv, sehr aktive Frauen. Sie in der Politik, ich in der Kirche. Was ist unsere Rolle auch und wo steht unsere schweizerische Gesellschaft? Welche Herausforderungen haben wir und was ist der politische Beitrag? Was ist der kirchliche Beitrag? Das war ein sehr spannender Austausch dort im Präsidentinnenbüro, im Bundeshaus. Und ich hoffe, dass ich auch mit dem neuen Nationalratspräsidenten mich dann verabreden kann, weil doch die Zusammenarbeit das Ergänzende von Kirche und Politik ist einfach wichtig.

00:08:25: Speaker 2: Du hast gerade schon das Stichwort gesagt Präsidentinnen. Da muss ich die Frage anschließen. Am Anfang deiner Präsidentinnenschaft wurde ja immer stark betont. Ja, sie ist die erste Frau im Amt. Und eben dieses, dieses weibliche, weibliche, Kirchenleitende. Wie bist du damit damals mit diesem Stempel umgegangen, sage ich mal Und ist das heute immer noch so ein großes Thema?

00:08:49: Speaker 3: Ja, es war für mich eigentlich eine große Freude, die die erste Präsidentin zu sein auf nationaler Ebene. Wir hatten ja schon viele auf kantonaler Ebene, aber jetzt auf nationaler Ebene. Und ich bin mir immer bewusst gewesen, da bin ich auch ein Stück, ein Role Model für andere Frauen. Jetzt im reformierten Alltag, ist dieses erste Frausein eigentlich nicht mehr so wichtig, weil die Reformierten sind sich gewohnt. Es gibt Frauen an der Spitze und wir haben viele kantonale Kirchenpräsidentinnen. Auch das ist so gar kein grosses Thema im reformierten Kontext, aber im interkonfessionellen und interreligiösen Kontext. Da gibt es dann häufig wieder Gremien, da bin ich die einzige Frau. Da ist es für mich wichtig, auch anzusprechen Wie ist das mit den Frauen in euren Glaubensgemeinschaften, in euren Kirchen? Nutzt ihr das Potenzial der Frauen? Und ich merke aber auch im protestantischen Kontext international Es gibt viele Kirchen, die haben die Frauenordination, aber die Frauen sind noch nicht an Spitzenpositionen, auch nicht an prominenten Pfarrstellen. Und dort ist es wichtig, mit den Frauen im Kontakt zu sein. Ich habe viele erste Bischöfinnen und Präsidentinnen getroffen. Auf auf meinen Reisen auch. Und ich merke viele Themen teilen wir. Und ich plane jetzt ein Buchprojekt. Das sollte dann nächstes Jahr herauskommen, wo ich diesen Frauen eine Stimme gebe. Dass sie aus ihren ganz verschiedenen Kontexten erzählen, wie es ihnen ging als erste Frauen oder als Frauen in kirchenleitenden Positionen. Was wir auch zur Ermutigung aller Frauen in Religionsgemeinschaften und Kirchen beitragen könnten, dass wir da dranbleiben, weil. Ja, es gibt auch Gegenbewegungen. Es ist nicht selbstverständlich. Wir dürfen uns nicht ausruhen. Und deshalb dieses Anliegen, diese Frauenpower zu bündeln und und in diesem Buch vorzustellen und so eine Ermutigung zu sein auch für andere Frauen, gerade im kirchlichen und religiösen Kontext.

00:11:09: Speaker 2: Ja, es ist eigentlich ja schon fast ärgerlich, dass wir zwei tausend fünf und zwanzig noch so viel darüber sprechen müssen. Oder als deine kirchliche Karriere, sag ich jetzt mal anfing, hast du sicher gedacht Ja, das löst sich dann, oder?

00:11:21: Speaker 3: Genau, es ist wirklich so in den letzten paar Jahren auch. Gibt es auch Gegenbewegungen. Vieles, was jetzt auch die feministische Theologie und das theologische Arbeiten uns ermöglicht hat, ist schon wieder ein bisschen in Vergessenheit geraten und wir müssen es wieder erklären, was es ist. Welches ist die theologische Legitimation? Oder oder, oder. Erklärung Auch, dass es wichtig ist, dass Frauen auch im theologischen Sinn gleichgestellt sind. Und ja, eben, wir können uns nicht ausruhen auf dem Ruhekissen und denken das haben wir uns jetzt erarbeitet.

00:11:59: Speaker 2: Dabei ist ja, sage ich mal, sowieso an der Basis ist die Kirche ja weiblich, sehr weiblich. Und ich kann mir vorstellen, neben all den hohen Tieren, die du so triffst. Es kommen viele Menschen auf dich zu. Du bist ja auch oft in Kirchgemeinden oder hältst eine Gastpredigt. Landauf, landab triffst du Menschen aus den aus der reformierten Kirche. Was wollen denn so normale Kirchenmitglieder? In der Regel von dir wissen. Wenn sie die Präsidentin treffen?

00:12:28: Speaker 3: Ja, das ist lustig. Oder unsere. Unsere Basis ist wirklich reformiert. Und es ist gar nicht so, Ich merke das. Oder wenn, wenn, wenn ich in einem katholischen Kontext bin und da kommt der Bischof, dann ist das wirklich so dieses Wow, jetzt kommt der Bischof bei uns und bei uns ist schon, es ist ein Respekt und und die haben Freude, dass man kommt, aber die spüren die ist eine von uns. Die ist hat zwar jetzt eine besondere Funktion, aber wir müssen jetzt nicht in die Knie fallen und das finde ich super. Also wir, wir sind wirklich reformiert in diesem Sinn. Und dann höre ich so, wenn ich Gottesdienste halte beim Kirchenausgang oft ganz persönliche Dinge. Also dass Menschen mir anvertrauen, was, was sie berührt hat dann an meiner Predigt, wo sie gerade dran sind, also sehr persönliche Dinge, aber dann häufig natürlich auch, wo sie sich ärgern über die Kirche. Häufig kommt dann wirklich so etwas, was ich schon lange mal irgendwo ganz oben platzieren wollte. Der Ärger darüber, dass man nicht einfach die Kirche, also die Kirchgemeinde, wechseln kann zum Beispiel. Das kommt oft, dass die Leute sagen Ich bin eigentlich bewusst reformiert, aber bei uns läuft es gerade nicht gut. Aber ich will ja nicht zur Kirche austreten. Aber ich möchte eigentlich in einer anderen Gemeinde Mitglied sein. Das kommt, kommt öfters, aber es ist immer sehr persönlich. Und das freut mich auch, dass die Leute den Mut haben, einfach von Du zu Du auf Augenhöhe zu sprechen. Und das ist bei uns Reformierten eigentlich gang und gäbe und das finde ich toll. Das ist unsere DNA.

00:14:17: Speaker 2: Also wären wir an einer Schule, wärst du die Vertrauenslehrerin. Jetzt bist du die Vertrauensfahrerin geworden.

00:14:24: Speaker 3: Genau. Das kann man so sagen. Ja.

00:14:27: Speaker 2: Ja. Was würdest du denn allgemein, wenn du auf das Jahr zurückblicken, sagen? Was sind denn die drei Themen, die dich am meisten beschäftigt haben.

00:14:35: Speaker 3: Ja, ist schwierig. Wir haben gehört, wie viele Grußworte und Referate und Buchbeiträge. Ich habe mich mit vielen Themen beschäftigt, aber ich würde sagen, das eine ist in unserer neuen Verfassung. Also so neu ist es ja auch nicht mehr. Von zwei tausend zwanzig heißt es Die evangelisch reformierte Kirche Schweiz ist die Gemeinschaft der fünf und zwanzig Mitgliedskirchen. Und was mich sehr beschäftigt hat, jetzt ist das zu klären Was heißt das eigentlich? Kirchengemeinschaft sein und nicht nur Kirche in meinem Dorf, in meinem Kanton, in meinem Land, sondern in einer weltumfassenden allgemeinen Kirche zu sein? Welches Potenzial hat das? Und ich habe mich wirklich bemüht, auch zu sagen das ist eine unglaubliche Kraft, einer zweitausendjährigen, weltumspannenden Kirche anzugehören. Und ich habe versucht, in verschiedenen Grußworten, auch in Referaten und Buchbeiträgen, das herauszuarbeiten. Dann hat mich natürlich immer wieder beschäftigt das Thema Schutz, persönliche Integrität. Wie können wir als Kirche, die wir eigentlich ja auch schon lange in diesem Thema unterwegs sind, zeigen, dass das uns extrem wichtig ist, Menschen in ihrer Verletzlichkeit, in ihrer Persönlichkeit, in ihrer sexuellen Integrität zu schützen und auch denen, die etwas Schlimmes erfahren haben. Den Mut zu geben, das zu sagen, das anzusprechen. Das hat mich sehr beschäftigt und da sind wir wirklich dran. Und das dritte ist finde, wir sind eine unglaublich lebendige, vielseitige, engagierte Kirche. Und wie können wir das besser kommunizieren? Wie können wir zeigen, was wir leisten? Wie können wir von diesen eins Komma acht Millionen Mitgliedern denen eine Stimme geben, das, dass man sieht, wir sind eine eine Kraft in unseren Dörfern, in unseren Städten, in unseren Kantonen, die ist unglaublich lebendig und. Und wie können wir besser zeigen, wer wir sind, für was wir stehen, was wir leisten? Das sind vielleicht diese drei wichtigsten Themen, an denen ich gearbeitet habe mit unseren Leuten hier im Haus, aber auch mit den kantonalen Präsidien usw.

00:17:11: Speaker 2: Du bist für den Kommissionen und in Gremien unterwegs, wo man sich eben um das große Ganze Gedanken macht. Aber wenn du jetzt auf eine Begegnung zurückgehen würdest mit jemandem und sagen was? Der oder diejenige hat mich jetzt total beeindruckt in diesem Jahr, das ist mir so im Kopf geblieben.

00:17:30: Speaker 3: Also eine Begegnung war mit der ukrainischen Botschafterin. Das ist jetzt nicht innerkirchlich, die wollte mich kennenlernen, ist zu mir ins Büro gekommen. Das war ein unglaublich berührendes Gespräch. Auch Sie als Persönlichkeit, als Mutter zweier Kinder. Ihre Kinder, also junge Erwachsene, leben in Kiew. Ihr Mann ist im Krieg, mit ihr im Austausch zu sein. Sie ist ja orthodoxe Christin. Sie hatte viele theologische Fragen. Ja, das war für mich vielleicht die eindrücklichste Begegnung.

00:18:11: Speaker 2: Ich denke, dass das bewahrt einen auch davor, alles zu verkopft und zu politisch zu sehen. Oder immer die Menschen. Es steht ja immer ein Schicksal, ein Mensch dahinter. Du hast schon angesprochen Du musst es in diesem Jahr viele, viele Medien Fragen auch beantworten zum Schutz der persönlichen Integrität, zu einer möglichen Missbrauchsstudie, die ja jetzt die Synode auch beschlossen hat. Das ist sicher keine leichte Aufgabe. Und zudem kommt dazu Du, bei dir haben sich auch oft Betroffene gemeldet, manchmal per Email, haben dich angesprochen. Wie ist es dir da gelungen, so eine Balance zu halten zwischen Mitgefühl, aber auch professioneller Distanz? Das stelle ich mir schwierig vor.

00:18:56: Speaker 3: Ich glaube, da ist mir zugute gekommen, dass ich achtzehn Jahre Gemeindepfarrerin war. Oder ich war wirklich während achtzehn Jahren in der seelsorglichen Praxis mit ganz vielen Menschen, mit ganz vielen Schicksalen. Das Wichtigste ist, dort einfach mal zuzuhören und auch ein Stück weit diese Geschichten an sich herankommen zu lassen und auch zu zeigen, dass einem das berührt. und dann helfen, mit diesen Menschen einzuordnen. Wo ist jetzt die richtige Anlaufstelle? Was? Was ist das nächste, was sie tun könnten, wo sie sich hinwenden könnten? Weil ich bin ja dann keine Meldestelle und auch keine Beratungsstelle. Aber trotzdem würde mich. Mir war es immer wichtig, die nicht einfach jetzt gerade sofort weiterzuvermitteln, sondern zuerst mal einfach das Gehör zu schenken. Ja, und dann die die professionelle Distanz, die die ist nicht im Gespräch, aber dann, dann später. Also für mich hat da auch die persönliche Spiritualität, also dass dann wirklich auch vielleicht am Abend Gott anzuvertrauen diese Menschen, weil ich jetzt gerade nichts für sie tun kann, aber dann auch einen professionellen Austausch mit den Zuständigen ohne Namen zu nennen. Aber zu sagen Schau mal, diese Geschichte beschäftigt mich deshalb und deshalb. Wo ordnen wir das ein? Das ist dann so wie die zweite Ebene. Aber eben das habe ich wirklich auch als Gemeindepfarrerin, als Seelsorgerin ein Stück weit auch gelernt.

00:20:40: Speaker 2: Und zurück auf der nationalen Ebene oder der unserer Mitgliedskirchen. Würdest du denn sagen, dass wir in dem Thema Schutz der persönlichen Integrität zwei tausend fünf und zwanzig auch Fortschritte gemacht haben?

00:20:52: Speaker 3: Ja, ich würde sagen, wir haben ja Ende letztes Jahr die Schutzkonzepte verabschiedet in der Synode einstimmig. Also dieses Commitment von allen Mitgliedskirchen. Wir wollen diese Schutzkonzepte jetzt implementieren. Und was mich wirklich sehr überzeugt hat. Wir hatten so ein Vernetzungstreffen mit den Zuständigen in den jeweiligen Kantonalkirchen, dass die Kirchen hier miteinander jetzt unterwegs sind, das umzusetzen. Also es muss nicht jede Kirche die Bildungsmaßnahmen neu erfinden, sondern die tauschen sich aus. Die einen sind schon viel weiter und und nehmen die anderen mit. Und da sind wir wirklich viel weiter gekommen in dem Sinn, dass die die Kirchen, die mehr Ressourcen haben, die anderen mitnehmen, partizipieren lassen. Wir haben diese Studie einstimmig verabschiedet. Das war für mich ein ganz schöner Moment, dass man gesagt hat Ja, wir wollen auch wissenschaftlich hinschauen, damit wir daraus lernen können für unsere Weiterentwicklung unserer Präventionsmaßnahmen. Und wir sind auf gutem Weg, jetzt auch die Anerkennungsleistungen und diese nationale Beratungsstelle oder schweizweite Beratungsstelle einzurichten. Also es ist halt, ich bin ein ungeduldiger Mensch und aber unsere demokratischen Strukturen verlangen auch ihre Zeit. Man kann vielleicht sagen, dass Bottom up Modell der Reformierten. Das dauert ein bisschen länger. Aber es ist dann wirklich auch besser verankert, als wenn es einfach top down verordnet wird. Und da brauche ich Geduld, bis wir da alles auf dem Schlitten haben. Aber wir haben sehr vieles auf dem Schlitten und sind, glaube ich, jetzt gut unterwegs.

00:22:46: Speaker 2: Da sind wir gerade schon ein bisschen bei den Aufstellern. Was war denn dein absolutes Jahreshighlight, wo du gesagt hast. Oh, da bin ich jetzt mega gern dabei gewesen.

00:22:56: Speaker 3: Also es gibt nicht ein Highlight. Ich weiß, dass du das jetzt hören möchtest, aber Highlights sind immer dann den Kirchen etwas gelingt. Also zum Beispiel dieses feine Jugendfestival. Das war einfach super in diesem Messegelände Oerlikon. Da waren ganz viele reformierte Jugendliche in Workshops, in Gottesdiensten, in, in, im Austausch, am Spielen und hatten einfach unglaublich Spaß miteinander, aber auch vertiefte gottesdienstliche Erlebnisse. Super Musik. Das war einfach. Da habe ich mich gut gefühlt, weil ich diese, diese reformierte Jugend gespürt habe und weil es wichtig war, diese Jugendlichen zusammen zu führen. Und und der Stab wurde jetzt weitergegeben. Die Basel Landschäftler waren auch da. Also Nordwestschweiz, das waren jetzt die Zürcher mit Schaffhausen, die gestartet haben und man will weiterfahren mit diesen Ref. Ein Jugendfestival und das das war wirklich ein Highlight. Aber vielleicht auch diese Bibel Genusstage in Flims, wo ganz viele Topshots kamen. Ein Architekt, Astrophysiker, Seven Seven, Bombay Street Party. Basler. Alle haben sich auseinandergesetzt mit einem Bibelwort und und, und. Menschen waren da und und haben dem zugehört, mitdiskutiert. Das fand ich auch ein super Highlight. Oder auch die Verleihung des Zwingli Preises. Da haben Organisationen, Teams drei und vierzig originelle Kirchenentwicklungsprojekte eingereicht und es wurden dann Projekte mit einem Preis verliehen, wo man gemerkt hätte, es hat so viel Innovationspotenzial in unserer, in meiner Kirche, in unserer Kirche. Und das war für mich auch ein Highlight, dies zu sehen mit diesen drei und vierzig Projekten. Die hätten alle einen Preis verdient. Das waren so meine, meine Highlights.

00:25:04: Speaker 2: Gibt es denn etwas, wo du dich sehr geärgert hast?

00:25:08: Speaker 3: Ja, ich ärgere mich immer, wenn Leute Informiert. Irgendwelche Dinge erzählen. Und dann muss man sagen Ja, aber zwei Klicks. Also zum Beispiel diese ewige Platte, die Reformierten, die exakt Nichts zu Israel Gaza. Dann muss ich sagen Ja, macht zwei Klicks und ihr seht, wir haben zwei Statements. Wir haben uns am siebte Oktober wieder geäußert. Informiert euch doch einfach, bevor ihr solche Ideen in die Welt setzt und sagt dann lieber die EG sagt nicht das, was ich hören möchte, aber sagt nicht, sie sagt nichts. Und das ärgert mich. Ich, ich, ich. Ich möchte lieber, dass man uns konfrontiert und sagt Wir ärgern uns über das, was ihr gesagt hat. Aber wenn man sagt, ihr sagt gar nichts, das das nervt.

00:26:04: Speaker 2: Hier ist vielleicht noch mal Gelegenheit, das zu erklären, wie ihr auch im Rat arbeitet. Ihr überlegt euch sehr genau, ob und wann ihr etwas sagt.

00:26:11: Speaker 3: Wir überlegen uns Wir haben das Bundeshaus Monitoring, wir haben auch das Monitoring der Themen in den Mitgliedskirchen und das Pressemonitoring. Dann schauen wir, wo gibt es Themen, die am Horizont aufsteigen, wo wir sagen, das sind Themen, die müssen uns interessieren und bereiten uns vor. Wenn es dann brisant wird, oder da gibt es Themen, wo wir sagen, das taucht auf und da wollen wir jetzt etwas sagen. Zum Beispiel, als der Bundesrat gesagt hat, wir müssen über die Legitimation der Eizellenspende sprechen, da haben wir sehr schnell dann zehn Fragen, zehn Antworten veröffentlicht, weil wir denken, das ist ein ethisches Thema, das unsere Mitglieder betrifft. Aber auch da wollen wir auch eine politische Debatte begleiten aus evangelischer Sicht. Und so monitoren wir die Themen und und und entscheiden gemeinsam als Siebnergremium. Wo wollen wir uns äußern und wie wollen wir uns äußern? Wir haben ja ganz verschiedene Formate, eben den Blog oder dann eben zehn Fragen, zehn Antworten oder eine präsidiale Kommunikation. Und dann überlegen wir auch was. Was ist das Richtige? Und dann gibt es auch Themen, die werden an uns herangetragen, von den Medien, die fragen oder so.

00:27:40: Speaker 2: Ja. Wir können ja den Blick mal etwas weiten über die Schweiz hinaus. Du bist ja seit zwei tausend vier und zwanzig oder zwei tausend vier und zwanzig Ist das passiert? Bist du gewählt worden als geschäftsführende Präsidentin des Rates der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa? Kurz gesagt, die CE. Und schon seit dieser, der Gründung der GCE, ist die EK's ja da sehr engagiert. Warum ist das wichtig, dass wir dort so vertreten sind?

00:28:06: Speaker 3: Das Anliegen war Vier hundert fünfzig Jahre konnten die Protestanten nicht zusammen Abendmahl feiern, die Lutheraner und die Reformierten. Weil sich Zwingli und Luther zerstritten haben über diese Frage. Und dann hat man vor fünfzig Jahren gesagt Das kann nicht sein. Und, und dort hat man ein neues Ökumenemodell eigentlich errungen in diesen Gesprächen, die dann zu dieser Konkordie geführt haben. Und zwar ist das das Spezielle daran, dass man gesagt hat, wir müssen nicht in den Bekenntnissen übereinstimmen, um miteinander Abendmahlsgemeinschaft zu haben. Es gibt ja Ökumene Modell, wo man sagt Zuerst müssen wir alle theologischen, dogmatischen, ekklesiologischen Streitigkeiten ausräumen und dann können wir dann zusammen am Tisch sitzen. Und die Geke hat gesagt Nein, es gibt Differenzen, an denen leiden wir, An denen arbeiten wir. Aber das hindert uns nicht daran, uns als Eingeladene am Tisch des Herrn zu sehen. Und dieses Modell, das finde ich fundamental wichtig für das Arbeiten an der Einheit der Christinnen und Christen. Und deshalb sind wir da so engagiert. Als als Reformierte, Weil wir denken, das ist wirklich ein ein ein Zukunftsmodell auch für die Ökumene. Und dann ist diese um diese Leuenberger Konkordia, wo man sich gesagt hat, jetzt sitzen wir zusammen am Tisch und für uns Schweizer ist das ja nicht so, die, die Zwinglianer und die Calvinisten. Wir haben immer sehr früh dann wieder zusammen Abendmahl gefeiert. Aber in Deutschland war das ein sehr bewegender Moment, als die EKD Kirchen zum Ersten Mal miteinander Abendmahl feiern konnten. Bis vor fünfzig Jahren konnten die Lutheraner mit den Unierten und Reformierten nicht Abendmahl feiern. Aber rund um diese Konkordia, wo wir das dann eben ermöglicht haben, ist dann diese Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa gewachsen. Und als Kirchen in diesem säkularen Europa haben wir ganz viele Themen gemeinsam und es ist für uns als EKS wichtig, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein, weil wir profitieren von den anderen Kirchen in Europa, wie sie mit der Säkularisierung, mit dem Mitgliederschwund, mit dem Personalmangel in der Partnerschaft, mit den theologischen Herausforderungen aus einer protestantischen Sicht umgehen. Das ist eine unglaubliche Bereicherung. Die Ecke arbeitet ja viel auch an an theologischen Themen, und das ist für uns sehr wichtig und deshalb engagieren wir uns. Meine drei Vorgänger waren ja alle Präsidenten. Das ist ja eigentlich speziell. Hat vielleicht auch damit zu tun, weil wir in der Schweiz schon vielsprachig sind und prädestiniert sind für diese, für diese vielsprachige Kirchengemeinschaft. Aber dann auch, weil wir nicht so gross und bedrohend sind wie wie die die EKD, weil man dort ein bisschen. Dann trauen sich die. Die kleineren Kirchen findet man dann oft die. Die Schweizer sind eigentlich dann noch gut, um das zu präsidieren. Das hängt jetzt vielleicht gar nicht mehr mit meiner Person, sondern mit unserer Rolle auch zusammen.

00:31:43: Speaker 2: Die grosse Bühne hast du allerdings auch, weil du bist ja auch im Zentralausschuss vertreten. Dort warst du dieses Jahr auch mit in Südafrika war eine Sitzung und dann war auch noch von der WGKK die Generalversammlung in Thailand. Die WGKK ist die Weltgemeinschaft reformierter Kirchen. Dort hast du sozusagen das das Mutterland der Reformierten vertreten. Wie waren diese Treffen?

00:32:13: Speaker 3: Sie sind beide sehr verschieden. Also bei der ÖRK ist ist ja da sind alle Konfessionen außer die die die Katholiken, die die arbeiten mit. Aber sind nicht offiziell Mitglied dort ist, ist das ökumenische Spektrum viel weiter. Und der Zentralausschuss? Der begleitet ja die Themen, die die Vollversammlung beschließt. Das ist ein politisches Gremium. Das war sehr interessant, weil es in Südafrika war, wo die Kirchen eine sehr wichtige Rolle bei der Überwindung von Apartheid gespielt haben. Dort haben wir viel von dem auch mitgekriegt. Da waren die afrikanischen Kirchen auch präsent mit mit Gestalten von Gottesdiensten. Aber wir haben auch das Apartheidmuseum besucht. Und das war sehr eindrücklich. Dort in einer Kirche Gast zu sein, die eine eine wichtige Rolle in einem gesellschaftlichen Change Prozess gespielt hat. Es hat mich vieles auch erinnert als an meine Studienzeit in der DDR, als die Kirche dort auch sehr wichtig war. Aber dann auch viele, die die großen Herausforderungen, die Südafrika jetzt wieder hat. Der Zentralausschuss, der diese Themen diskutiert hat wie Wie kommen zwei hundert Leute aus so unterschiedlichen Konfessionen zu Themen wie eben Climate Change oder theologische Themen, aber auch Israel Gaza Konflikt zu einer zu einer Meinung wie Das ist sehr spannend, wie das Potenzial, das solche Versammlungen auch haben, Menschen aus verschiedenen Kontexten mit verschiedenen theologischen Hintergründen zusammenzuführen und ein konstruktives Gespräch zu führen. Das war sehr, sehr interessant und Weltgemeinschaft reformiert. Das ist dann unsere Kirchenfamilie dort festzustellen, dass wir. Ja, ich habe das Mutterland der reformierten Reformation dort quasi repräsentiert, Heimat von Zwingli und Calvin. Calvin war wichtig für die internationale Reformierte Bewegung und dort zu merken Wir sind nicht mehr die Mehrheit in Nordeuropa. Die Mehrheit der Reformierten sind in den Ländern des Südens und die haben ganz andere Herausforderungen und und Themen und die fordern uns wieder heraus. Das war sehr eindrücklich.

00:34:45: Speaker 2: Ganz andere Location. Thailand, Chiang Mai.

00:34:48: Speaker 3: Genau. Dann waren wir in Chiang Mai. Natürlich. Eigentlich eine kleine Kirche. Ist ja kein christliches Land, aber wie die dort mit ihren Schulen, mit ihren Spitälern, mit ihren Kirchen auch einen Unterschied bewirken, das war sehr eindrücklich. Auch.

00:35:04: Speaker 2: Und was nimmst du aus solchen Treffen mit? Hier nach Hause in die Schweiz?

00:35:09: Speaker 3: Was ich immer versuche, im Reisegepäck mitzunehmen, diese Ermutigung, die ich erlebe Wir sind Kirche rund um den Globus. Und da gibt es Kirchen, die haben viel weniger Geld, die haben noch viel, sind viel kleinere Minderheiten, und die leben ganz bewusst Kirche dort zum Beispiel. Die Reformierten in Taiwan sind eine absolute Minderheit, aber aus tiefster Glaubensüberzeugung engagieren sie sich in ihn. Der im Widerstand gegen die Dominanz von China. Die engagieren sich für Demokratie, für Freiheit von Taiwan. Das zu erleben, das ist für mich unglaublich ermutigend. Und das dann zurückzubringen. Wir sind knapp zwanzig Prozent unserer Gesellschaft. Die meisten Reformierten sind in ihren gesellschaftlichen Kontexten zwei Prozent, ein Prozent, drei Prozent. Aber für sie ist das gar kein Thema, klein zu sein, sondern für sie ist es ein Thema, einen Unterschied zu machen und den Glauben zu leben mit dem, was sie haben. Und das möchte ich gerne zurückbringen in unseren Kontext auch als Ermutigung. Die Relevanz ist nicht abhängig von der Größe, sondern von der Ausstrahlung und von der Kraft, die man schöpft. Aus dem eigenen Kirche sein.

00:36:43: Speaker 2: Zumindest nominell ist ja die EKD dieses Jahr gewachsen. Wir haben eine Kirche assoziiert, nämlich die Swiss Church in London. Das war eine große Freude jetzt bei der letzten Herbstsynode, als das dann angenommen wurde. Sie bekam eine wunderbare Urkunde überreicht und du bist auch einmal in London gewesen dieses Jahr. Kannst du von dieser Begegnung kurz erzählen?

00:37:07: Speaker 3: Ja, die Swiss Church in London, die gibt es schon lange. Die wurde gegründet, als viele Europäer und und Businessleute nach London gingen und gesagt haben Ja, wir wollen nicht anglikanisch werden, wir wollen nicht lutherisch werden, wir sind Schweizer Protestanten. Und dann haben Sie diese kleine Swiss Church gegründet. Die war lange auch nahe an der ECS, war eine aus dem Kirchenbund. Dann es war eine eine Schweizer Kirche im Ausland. Und dann hat man sie zwei tausend dreizehn quasi in die Unabhängigkeit entlassen. Und die haben so lustig gesagt Seither sind wir ja im ökumenischen Weltall. Wir sind nirgends angebunden, aber wir verstehen uns nach wie vor reformiert. Und dann, als nach der neuen Verfassung diese Assoziierung möglich war, haben sie sich sehr schnell gemeldet und gesagt Wir wollen formal auch zeigen, dass wir zu dieser Schweizer reformierten Kirche gehören. Das war sehr berührend. Dann von Ihnen zu merken, wie wichtig, dass das für Sie ist, dass wir jetzt wieder formal so zu machen, auch wenn sie finanziell unabhängig bleiben. Das sind ja auch alle. Unsere Mitgliedskirchen sind autonom, aber sie wollen zu dieser Kirchengemeinschaft gehören. Diese Freude hat man gespürt, diesen Delegierten, die da waren in Bern im November, aber auch beim Treffen dort in London im April. Das war für sie extrem wichtig, dass ich selber dorthin kam und wir diese Gespräche führen könnten. Und ich hoffe sehr, dass wir ja jetzt auch unsere Gemeinden, unsere Kantonalkirchen. London mal besuchen und auch schauen, wie sind sie dort? Kirche, Reformierte Schweizer Protestantismus im grossen London. Das ist wirklich auch sehr inspirierend, das zu erleben.

00:39:03: Speaker 2: Genau, ja, weil dieses Church in London macht ja auch sehr, sehr viel Sozialarbeit fährt ein recht anderes Modell als viele unserer Mitgliedskirchen. Ja, es ist wirklich interessant. Ich bin gespannt, was wir alles von denen auch lernen werden, weil das ist ja nicht einseitig, dass sie jetzt sagen Ach, wir haben jetzt wieder stärker den Stempel Swissness und wir profitieren davon. Sondern es ist ja wirklich ein wechselseitiges Verhältnis, was man sich abschauen kann.

00:39:29: Speaker 3: Ganz genau. Und und oder auch schon nur wie sie die Gelder generieren, Die haben keine Staatsbeiträge, die haben keine Steuern. Das sind einfach die Mitglieder, die das bezahlen und das Fundraising, mit dem sie ihre ihre Kirchenprojekte dann finanzieren. Da können wir wirklich auch viel lernen davon.

00:39:49: Speaker 2: In der Herbstsynode kam dann noch eine wichtige Sache zur Sprache, nämlich der Rat. Und du habt angekündigt, dass ihr euch nächstes Jahr noch mal zur Wahl stellen werdet. Also ihr wollt alle eine weitere Amtszeit. Was hat euch dazu bewogen, wieder zu kandidieren? Oder speziell dich persönlich vielleicht.

00:40:07: Speaker 3: Ich bin jetzt fünf Jahre im Amt und ich merke, nach fünf Jahren habe ich mir wirklich ein Netzwerk aufgebaut in der Schweiz zu in der Kirche. Wir sind vertraut. Man kennt mich aber auch im Politischen oder oder mit Medienschaffenden. Das ist ein Netzwerk, das jetzt besteht, aber auch international. Ich habe viele Kontakte zu Bischöfinnen in der EKD, Kirchen, aber auch der Kirche. International bin ich jetzt im Zentralausschuss oder auch die die Präsidentin. Und das wäre jetzt fast schade. Jetzt. Jetzt kommt die Zeit, wo man profitieren kann von den Netzen, die man aufgebaut hat. Und das möchte ich gerne dieses Know how noch einmal in einer in einer nächsten Amtszeit ausschöpfen und und jetzt wirklich auch damit arbeiten. Und als Rat. Wir hatten doch jetzt ein paar Wechsel in dieser Legislatur, aus verschiedenen Gründen. Und jetzt sind wir ein super Team und wir haben gemerkt, dass es als Team jetzt so noch einmal eine Legislatur anzupacken. Das würde uns alle unglaublich freuen. Und ich habe mich sehr gefreut, dass alle gesagt haben, Sie sind noch mal an Bord. Ja, wir werden haben dass der Synode so mitgeteilt. Im Juni sind dann die Wahlen. Die Amtszeit beginnt dann am erste erste sieben und zwanzig bis Ende dreißigste.

00:41:41: Speaker 2: Also es gibt noch viel zu tun. Es gibt noch.

00:41:43: Speaker 3: Viel zu tun. Genau. Und?

00:41:47: Speaker 2: Ja. Und welchen guten Wunsch würdest du denn den Hörerinnen und Hörern mitgeben fürs Jahr sechs und zwanzigste.

00:41:55: Speaker 3: Es ist derselbe Wunsch, den ich mir selber mitgebe. Glaube ist eine unglaubliche Ressource für das Leben, persönlich, aber auch für uns als Gesellschaft. Aber Gott drängt sich nicht auf. Und ich wünsche allen, die mit mir auf diesem Glaubensweg unterwegs sind, Zeit und Raum dieser Kraft, die uns trägt, die uns birgt, die uns inspiriert, immer wieder nachzuspüren, diese Inseln zu schaffen, sie freizulegen und auch mit anderen zu teilen, damit wir hier miteinander unterwegs sein können.

00:42:33: Speaker 2: Das ist doch ein wunderbares Schlusswort. Vielen, vielen Dank, Rita, für dieses wunderbare Gespräch.

00:42:39: Speaker 3: Danke dir und ein gutes neues Jahr.

00:42:42: Speaker 2: Ja, genau das wünschen wir euch auch da draußen. Das heutige Abschlusszitat stammt, wie soll es anders sein von Rita Famos. Im Jahr zwei tausend fünf und zwanzig hat sie an einer Synode eine Rede gehalten unter dem Motto Das Beste kommt noch. Und ein Journalist von der Herder Korrespondenz wollte das dann etwas genauer wissen und hat sie gefragt Ja, was haben Sie sich denn dabei gedacht? Und Rita? Dann hast du geantwortet.

00:43:09: Speaker 1: Lichtreflex.

00:43:11: Speaker 2: Das Motto Das Beste kommt noch. Ist die zentrale Botschaft der Bibel. Es geht um die endzeitliche Hoffnung auf die Vollendung des Gottesreiches und die Gewissheit, dass unsere Welt und all unsere Angelegenheiten in Gottes Hand sind und dass Gott unsere Welt erlöst mit allem, was darin Erlösung ersehnt. Das bedeutet nicht im Blick auf das Ziel, den oftmals steinigen Weg dorthin zu übersehen und unaufmerksam oder gleichgültig zu werden. Er reformierte Realismus, erlaubt keine Zuschauerrolle in dieser Welt. Merci fürs Dabeisein und Mitdenken. Ihr hört diesen Podcast nicht nur auf unserer Webseite exers.ch, sondern auch auf Apple Podcasts und allen anderen gängigen Plattformen. Abonniert uns doch da und verpasst keine neuen Folgen. Auf Instagram und Facebook findet ihr die neusten Posts der Ex. Ausserdem sind wir auch auf LinkedIn. Also Leute, wir machen jetzt eine winzige Winterpause. Ich muss ein paar Gutsle futtern, Weihnachtsmusik hören und Feuerwerk schauen. Und wenn dann das Januarloch so richtig da ist, dann kommt Reflex zurück. Nämlich am dreizehnte Januar spreche ich mit dem Theologen und KI Experten Spiro Mafias über Kirche und die Chancen künstlicher Intelligenz. Und jetzt habt eine gesegnete Zeit. Bleibt reflektiert bei.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.